Letzte Woche schaute ich in erschöpfte Gesichter im Willy-Brandt-Haus. Die SPD-Niederlage in Rheinland-Pfalz saß tief. Nach 35 Jahren an der Spitze nur noch zweitstärkste Kraft. Knapp zehn Prozentpunkte verloren. Ministerpräsident Alexander Schweitzer zieht sich zurück. Die Stimmung? Gedrückt, aber niemand sprach es offen aus.
Philipp Türmer, Chef der Jusos, brach das Schweigen. «Die Rollenteilung an der Parteispitze klappt aktuell nicht», sagte er dem Spiegel. Seine Kritik ist deutlich. Die Doppelrolle der Vorsitzenden funktioniere nicht. Sie seien gleichzeitig Minister. Das gehe nicht zusammen.
Der Ball liege bei Lars Klingbeil und Bärbel Bas. Sie müssten Antworten liefern. Was wollen sie ändern? Oder treten sie zurück? «Mit diesem Kurs marschieren wir in den Abgrund», warnte Türmer. Seine Worte treffen einen Nerv.
Auch die Gremienarbeit kritisiert er scharf. «Ich nehme unsere Gremien teilweise als sinnlose Beschäftigungstherapie wahr.» Man kreise um sich selbst. Keine Linie, keine Strategie. Die SPD brauche eine Vision. Sie müsse für Verteilungsgerechtigkeit kämpfen. Nur so habe sie einen Existenzgrund.
Bärbel Bas lehnt einen Rücktritt ab. Die Menschen erwarteten keine Selbstzerfleischung. Der Vorstand wolle diese Debatte nicht führen. Zumindest nicht jetzt.
Türmers Kritik zeigt: Die Ungeduld wächst. Die Basis fordert Klarheit. Die SPD steht am Scheideweg. Entweder sie findet eine neue Richtung. Oder sie verliert weiter an Boden.