Die Kritik am Berliner Bürgermeister Kai Wegner nimmt zu, nachdem bekannt wurde, dass er während des großen Stromausfalls in Berlin Tennis spielte. Der Blackout am Samstag legte weite Teile von Köpenick, Lichtenberg und Treptow-Köpenick über Stunden lahm, während der Regierende Bürgermeister offenbar auf dem Tennisplatz stand.
Fast 50.000 Haushalte waren von dem Stromausfall betroffen. Anwohner saßen im Dunkeln, Ampelanlagen fielen aus, und viele öffentliche Einrichtungen mussten schließen. Während dieser Krisensituation befand sich Wegner beim Tennisspielen – ein Umstand, der nun heftige Reaktionen hervorruft.
«Ich habe mich in meinem dunklen Büro eingesperrt, während unser Bürgermeister Tennis spielte», kritisierte ein Mitarbeiter der Bezirksverwaltung, der namentlich nicht genannt werden möchte. Die Opposition im Abgeordnetenhaus nutzt den Vorfall für scharfe Kritik am CDU-Politiker.
Die Berliner Grünen-Fraktionsvorsitzende Bettina Jarasch erklärte: «In Krisenzeiten erwarten die Berlinerinnen und Berliner zu Recht, dass ihr Regierender Bürgermeister präsent ist und Führung zeigt. Auf dem Tennisplatz kann man keine Krise managen.«
Die Senatskanzlei verteidigt Wegners Verhalten. Ein Sprecher betonte, der Bürgermeister sei durchgehend erreichbar gewesen und habe sich laufend über die Situation informieren lassen. «Der Regierende Bürgermeister stand in engem Kontakt mit den Einsatzkräften und dem Krisenstab, auch während seiner privaten Zeit», so der Sprecher.
Die Stromversorgung war nach einem Kabelbrand in einem Umspannwerk für mehrere Stunden unterbrochen. Besonders kritisch war die Lage in Krankenhäusern und Pflegeheimen, wo Notstromaggregate zum Einsatz kamen.
Experten für Krisenmanagement sehen den Vorfall kritisch. «In einer Notsituation sollte der oberste Verantwortliche der Stadt sichtbar sein und Präsenz zeigen«, erklärt Prof. Dr. Monika Schulz von der Hochschule für Wirtschaft und Recht Berlin. «Es geht nicht nur um tatsächliche Handlungsfähigkeit, sondern auch um symbolische Führung.»
Auch in sozialen Medien sorgt der Vorfall für Empörung. Unter dem Hashtag #TennisGate teilen Berliner ihre Erfahrungen während des Stromausfalls und kritisieren den Bürgermeister.
Wegner selbst äußerte sich am Montag zu den Vorwürfen: «Ich verstehe die Kritik, aber ich war jederzeit handlungsfähig und informiert. Die Versorgungssicherheit der Berlinerinnen und Berliner hatte und hat für mich oberste Priorität.»
Der Stromausfall erinnerte viele Berliner an frühere Blackouts in Köpenick, wo es bereits 2019 einen mehrtägigen Ausfall gegeben hatte. Die Infrastruktur der wachsenden Metropole steht immer wieder auf dem Prüfstand.
Für Wegner, der erst seit Mai 2023 im Amt ist, bedeutet dieser Vorfall einen ersten größeren Imageschaden. Seine politischen Gegner fordern nun mehr Engagement für die Verbesserung der städtischen Infrastruktur und ein überarbeitetes Krisenmanagement.
Die Netzbetreiber arbeiten derweil an Maßnahmen, um ähnliche Vorfälle in Zukunft zu vermeiden. Experten fordern seit langem mehr Investitionen in die alternde Strominfrastruktur der Hauptstadt.
Für viele betroffene Bürger bleibt der bittere Nachgeschmack, dass ihr Bürgermeister in einer Krisensituation andere Prioritäten setzte. «Während wir im Dunkeln saßen und uns Sorgen machten, spielte er Tennis. Das ist schwer zu verstehen«, fasst eine Anwohnerin aus Köpenick die Stimmung zusammen.