Techno-Konzert am Hafen – Anwohner und Musiker im Zwiespalt
Die Kontroverse um das geplante Open-Air-Konzert des bekannten Techno-Künstlers Paul Kalkbrenner am Hamburger Hafen nimmt zu. Die für August 2024 vorgesehene Veranstaltung auf dem Parkplatz Landungsbrücken könnte auf der Kippe stehen. Während Fans auf ein spektakuläres Musik-Ereignis hoffen, wächst der Widerstand bei Anwohnern.
Bis zu 15.000 Techno-Fans sollten eigentlich im Sommer zusammenkommen, um zu den elektronischen Beats von Kalkbrenner zu tanzen. Die Baugenehmigung für das Konzert ist jedoch noch nicht erteilt. Die Entscheidung liegt beim Bezirksamt Hamburg-Mitte, das die verschiedenen Interessen abwägen muss.
Sorgen der Anwohner nehmen zu
«Die Lautstärke ist unser Hauptproblem», erklärt Maria Schmidt, Sprecherin einer Anwohnerinitiative. «Bei früheren Veranstaltungen konnten wir in unseren Wohnungen nicht einmal normale Gespräche führen.» Besonders die Bewohner der nahegelegenen Hafenstraße und des Portugiesenviertels befürchten massive Lärmbelästigungen.
Der geplante Konzertort an den Landungsbrücken liegt in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten. Die besondere Lage am Wasser könnte den Schall zudem verstärken und weiter tragen als bei vergleichbaren Veranstaltungen an anderen Orten der Stadt.
Neben der Lärmproblematik bereiten auch die zu erwartenden Besucherströme den Anwohnern Sorge. «15.000 Menschen, die gleichzeitig an- und abreisen, das wird unsere Straßen und den ÖPNV völlig überlasten», befürchtet Thomas Weber, ein Anwohner aus der Hafenstraße.
Veranstalter zeigen Verständnis und suchen Lösungen
Die Konzertveranstalter von «Fancy Events» reagieren auf die Bedenken und betonen ihre Dialogbereitschaft. «Wir nehmen die Sorgen der Anwohner sehr ernst», sagt Konzertorganisator Markus Klein. «Deshalb planen wir umfangreiche Schallschutzmaßnahmen und ein durchdachtes Besuchermanagement.»
Zu den vorgeschlagenen Maßnahmen gehören spezielle Schallschutzelemente, eine optimierte Ausrichtung der Lautsprecheranlagen und strenge Lautstärkebegrenzungen. Zudem soll das Konzert bereits um 22 Uhr enden – früher als ursprünglich geplant.
Die Veranstalter verweisen auch auf die wirtschaftliche Bedeutung solcher Events für Hamburg. «Große Konzerte bringen nicht nur kulturelles Leben in die Stadt, sondern auch wirtschaftliche Impulse für Gastronomie, Hotels und den lokalen Einzelhandel», argumentiert Klein.
Bezirk in schwieriger Vermittlerrolle
Das Bezirksamt Hamburg-Mitte steht nun vor der Herausforderung, zwischen den unterschiedlichen Interessen zu vermitteln. «Wir müssen sowohl die berechtigten Anliegen der Anwohner als auch die kulturelle Vielfalt und Attraktivität unserer Stadt berücksichtigen», erklärt Bezirksamtsleiterin Claudia Schmidt.
Die Behörde hat bereits zusätzliche Schallgutachten angefordert und führt intensive Gespräche mit allen Beteiligten. Eine Entscheidung über die Genehmigung wird für März erwartet.
Hafenkulisse als besonderer Reiz
Für Paul Kalkbrenner und seine Fans wäre ein Konzert vor der Hamburger Hafenkulisse ein besonderes Highlight. Der internationale Star der elektronischen Musikszene ist bekannt für seine spektakulären Auftritte und hat bereits auf vielen großen Festivals weltweit gespielt.
«Der Hamburger Hafen mit seinen Kränen und Schiffen würde eine einzigartige Kulisse für elektronische Musik bieten», schwärmt Musikfan Jana Meier, die extra aus Berlin anreisen würde. «Solche besonderen Konzerte machen Hamburg als Musikstadt attraktiv.»
Suche nach Kompromissen
Ein möglicher Kompromiss könnte die Verlegung des Konzerts an einen anderen Ort oder die weitere Reduzierung der Besucherzahl sein. Auch eine Verschiebung der Anfangszeit oder zusätzliche Lärmschutzmaßnahmen werden diskutiert.
Die Debatte um das Kalkbrenner-Konzert reiht sich ein in eine größere Diskussion über die Nutzung öffentlicher Räume in Hamburg. Die wachsende Stadt muss einen Ausgleich finden zwischen kulturellen Ereignissen, die zur Lebendigkeit beitragen, und den berechtigten Ruhebedürfnissen ihrer Bewohner.
Eine endgültige Entscheidung über das Konzert steht noch aus. Sowohl Fans als auch Anwohner blicken gespannt auf die kommenden Wochen.