Die Königsallee verwandelte sich am Tulpensonntag wieder in eine bunte Partymeile. Bei strahlendem Sonnenschein und milden Temperaturen feierten zehntausende Jecken das traditionelle Kö-Treiben in Düsseldorf. Die Veranstaltung gilt als Höhepunkt des Straßenkarnevals in der nordrhein-westfälischen Landeshauptstadt.
«So viele fröhliche Menschen auf der Kö zu sehen, ist einfach wunderbar», sagte Oberbürgermeister Stefan Keller beim Rundgang durch die Menge. «Unser Kö-Treiben zeigt, dass Düsseldorf nicht nur beim Rosenmontagszug, sondern auch mit diesem einzigartigen Format Karneval feiern kann.»
Bereits ab dem Vormittag strömten kostümierte Närrinnen und Narren auf die Prachtstraße. Besonders beliebt waren in diesem Jahr Gruppenkostüme mit Umweltthemen. Eine Gruppe junger Frauen kam als «Retterinnen der Meere» und verteilte Infomaterial zu Plastikvermeidung. «Karneval kann auch Botschaften transportieren«, erklärte Gruppenmitglied Jana Schmitz (27).
Der Grafenberger Karnevalsverein sorgte mit seinem schwimmenden Wagen für Begeisterung. Das als Piratenschiff dekorierte Gefährt schipperte über den Kö-Graben und verteilte Kamelle an die jubelnden Zuschauer. «Wir haben drei Monate an diesem Wagen gebaut», verriet Vereinspräsident Michael Weber stolz.
Die Sicherheitsbehörden zeigten sich zufrieden mit dem Verlauf. «Wir haben ein funktionierendes Sicherheitskonzept und bisher keine besonderen Vorkommnisse», erklärte Polizeisprecherin Martina Führmann am Nachmittag. Rund 200 Polizisten waren im Einsatz, unterstützt von privaten Sicherheitsdiensten.
Auch die Karnevalsgesellschaften präsentierten sich auf der Kö. Die «Düsseldorfer Ehrengarde» beeindruckte in historischen Uniformen, während die «Rheinischen Funken» mit ihrer Tanzgarde die Menge begeisterten. Karnevalsprinz Thorsten I. und seine Venetia Christiane grüßten vom Balkon des Steigenberger Parkhotels.
Für kulinarische Versorgung sorgten zahlreiche Stände entlang der Flaniermeile. Neben klassischen Angeboten wie Bratwurst und Glühwein überraschten lokale Gastronomen mit karnevalistischen Kreationen. Die «Altbier-Praline» vom Konditormeister Peter Heinen wurde zum Verkaufsschlager.
Die musikalische Untermalung lieferten DJs und Livebands auf vier Bühnen. Besonders umlagert war die Hauptbühne am Corneliusplatz, wo regionale Karnevalsbands wie «De Fetzer» und «Kokolores» die Hits der Session präsentierten. Der neue Song «Min Düsseldorf, du Perle am Rhing» entwickelte sich zum inoffiziellen Hymne des Tages.
Familien mit Kindern nutzten besonders den frühen Nachmittag für einen Besuch. Im speziellen Familienbereich am nördlichen Ende der Kö sorgten Kinderschminken, Puppentheater und ein Karussell für Begeisterung bei den kleinen Jecken. «Meine Tochter ist zum ersten Mal beim Kö-Treiben dabei und total begeistert», freute sich Sabine Müller aus Oberkassel.
Auch der Umweltschutz spielte eine größere Rolle als in früheren Jahren. Mehrere Vereine beteiligten sich an der Initiative «Sauberer Karneval» und sammelten Müll. Die Stadtwerke stellten zusätzliche Recycling-Stationen auf. «Wir wollen zeigen, dass Feiern und Umweltbewusstsein zusammenpassen», erklärte Organisator Thomas Beier.
Das Kö-Treiben endete offiziell um 18 Uhr, doch die Feiern verlagerten sich anschließend in die Altstadt. In den kommenden Tagen geht der Straßenkarneval mit Veranstaltungen in verschiedenen Stadtteilen weiter, bevor am Rosenmontag der große Zug durch die Innenstadt zieht.
«Das Kö-Treiben 2026 war ein voller Erfolg«, bilanzierte Karnevalspräsident Wolfgang Schäfer. «Es zeigt die besondere Düsseldorfer Mischung aus Tradition und Moderne, die unseren Karneval so einzigartig macht.»