In Düsseldorf ging es gestern besonders bunt zu: Der nordrhein-westfälische Landtag öffnete seine Türen für die fünfte Jahreszeit. Über 111 Prinzenpaare und Dreigestirne aus ganz NRW verwandelten das sonst so ernste Parlamentsgebäude in ein närrisches Tollhaus.
«Heute regieren hier nicht die Politiker, sondern die Jecken», erklärte Landtagspräsident André Kuper mit einem Augenzwinkern. Kuper, selbst in einer leuchtend roten Narrenkappe, begrüßte die kostümierten Gäste im Plenarsaal. Der Empfang ist mittlerweile zu einer festen Tradition geworden und symbolisiert die tiefe Verbundenheit zwischen Politik und Brauchtum in NRW.
Besonders beeindruckend war das Bild im Plenarsaal, wo sich normalerweise Abgeordnete über Gesetzesentwürfe austauschen. Gestern glitzerten dort Kronen, Zepter funkelten, und prachtvolle Ornate in allen Farben füllten die Reihen. Prinzen und Prinzessinnen aus Köln, Düsseldorf, Bonn und vielen kleineren Städten und Gemeinden nutzten die Gelegenheit zum regionenübergreifenden Austausch.
«Der Karneval verbindet Menschen über alle Grenzen hinweg», sagte Prinz Marc I. aus Köln. «Hier treffen wir Karnevalisten, die wir sonst nie kennengelernt hätten.» Die Düsseldorfer Prinzessin Venetia ergänzte: «Es ist wunderbar zu sehen, wie unterschiedlich die Traditionen in unserem Bundesland sind, und trotzdem feiern wir alle gemeinsam.»
Ministerpräsident Hendrik Wüst nahm sich Zeit für Gespräche mit den närrischen Regenten und betonte die kulturelle Bedeutung des Karnevals: «Das Brauchtum ist ein wichtiger Teil unserer Identität in Nordrhein-Westfalen. Der Karneval bringt Freude und schafft Gemeinschaft – das ist in unserer Zeit wichtiger denn je.»
Neben dem festlichen Empfang im Plenarsaal wurden die Karnevalisten durch das Landtagsgebäude geführt. Viele nutzten die Gelegenheit für Fotos auf dem Präsidentenstuhl oder am Rednerpult. Ein besonderes Highlight war das gemeinsame Singen traditioneller Karnevalslieder, die im Landtag wohl selten so lautstark erklungen sind.
Der Präsident des Festkomitees Kölner Karneval, Christoph Kuckelkorn, sieht in dem Empfang eine wichtige Würdigung: «Der Karneval ist nicht nur ein Fest, sondern auch ein wichtiger Wirtschaftsfaktor und Kulturgut. Diese Anerkennung durch die Politik ist für uns sehr wertvoll.»
Für viele Prinzenpaare bedeutete der Besuch im Landtag einen Höhepunkt ihrer Session. «Man fühlt sich wirklich wertgeschätzt», meinte Prinz Kalli vom Karnevalsverein Blau-Weiß aus dem Münsterland. «Es zeigt, dass unser ehrenamtliches Engagement für den Karneval auch auf Landesebene anerkannt wird.»
Während des Empfangs wurde auch der soziale Aspekt des Karnevals hervorgehoben. Viele Vereine engagieren sich neben den Feiern in sozialen Projekten und unterstützen wohltätige Zwecke. «Karneval ist mehr als nur Feiern», erklärte ein Prinz aus dem Bergischen Land. «Wir sammeln Spenden für Kinder in Not und besuchen Seniorenheime, um auch dort ein Lächeln zu zaubern.»
Nach dem offiziellen Teil ging die Feier im Foyer weiter, wo bei rheinischen Spezialitäten und Kölsch die Unterschiede zwischen den Karnevalshochburgen diskutiert wurden. Ob «Alaaf» oder «Helau» – im Landtag fanden alle Narren zusammen und feierten gemeinsam ihre Traditionen.
Der närrische Landtag wird sicherlich nicht die letzte politische Institution sein, die in dieser Session von den Karnevalisten erobert wird. Schließlich gilt bis Aschermittwoch: Die Jecken haben das Sagen – auch in der Politik.