Ko-Tropfen Gefahr an Karneval in Essen: Polizei warnt und gibt Schutztipps
Die Karnevalszeit in Essen steht vor der Tür. Mit bunten Kostümen, ausgelassener Stimmung und fröhlichen Feiern beginnt die fünfte Jahreszeit. Doch zwischen all der Freude lauert eine Gefahr, die nicht übersehen werden sollte: Ko-Tropfen. Die Essener Polizei warnt eindringlich vor dieser Bedrohung und gibt wichtige Hinweise, wie man sich und andere schützen kann.
«Die Gefahr von Ko-Tropfen steigt besonders während großer Feiern wie Karneval», erklärt Polizeihauptkommissarin Maria Schulz von der Essener Polizeibehörde. «Wir sehen jedes Jahr Fälle, in denen Menschen Opfer dieser heimtückischen Substanzen werden.» Nach Polizeistatistik gab es im letzten Jahr allein im Raum Essen zwölf gemeldete Fälle während der Karnevalszeit. Die Dunkelziffer liegt vermutlich deutlich höher.
Ko-Tropfen, auch als «Liquid Ecstasy» oder GHB bekannt, sind farb- und geruchlose Substanzen, die leicht in Getränke gemischt werden können. Sie wirken bewusstseinstrübend und können zu Gedächtnisverlust führen. Täter nutzen dies oft aus, um Diebstähle oder sexuelle Übergriffe zu begehen.
So schützen Sie sich vor Ko-Tropfen
Die Essener Polizei empfiehlt folgende Schutzmaßnahmen:
«Lasst eure Getränke nie unbeaufsichtigt», betont Schulz. «Nehmt sie auch mit auf die Toilette oder bestellt danach ein neues.» Besonders gefährdet sind offene Gläser auf Partys und in vollen Kneipen, wo man schnell den Überblick verlieren kann.
Freundesgruppen sollten eine klare Strategie haben. «Geht als Gruppe aus und kommt als Gruppe nach Hause», rät die Polizei. In der Gruppe aufeinander zu achten, ist der beste Schutz. «Wenn jemand plötzlich übermäßig betrunken wirkt, obwohl er wenig getrunken hat, sollten die Alarmglocken läuten», erklärt Schulz.
Die Polizei Essen empfiehlt auch spezielle Getränkedeckel, die in einigen Apotheken und online erhältlich sind. Diese können über Gläser gespannt werden und haben nur eine kleine Öffnung für den Strohhalm.
Symptome erkennen und richtig handeln
Die Wirkung von Ko-Tropfen tritt meist nach 10 bis 20 Minuten ein. Typische Anzeichen sind plötzliche Übelkeit, unerklärliche Benommenheit und Schwindel. Opfer berichten oft von einem Gefühl, «neben sich zu stehen» und die Kontrolle zu verlieren.
«Wenn ihr solche Symptome bei euch oder Freunden bemerkt, handelt sofort», mahnt Schulz. «Verlasst die Situation gemeinsam und sucht medizinische Hilfe.» Im Ernstfall sollte man den Notruf 112 wählen oder direkt ins Krankenhaus fahren.
Besonders wichtig: Ko-Tropfen sind im Blut nur etwa sechs bis acht Stunden nachweisbar, im Urin bis zu zwölf Stunden. «Wer einen Verdacht hat, sollte schnellstmöglich eine Probe sichern lassen», erklärt Dr. Thomas Meier vom Universitätsklinikum Essen.
Gemeinschaftliche Verantwortung
Der Karneval lebt vom Gemeinschaftsgefühl. Dieses sollte sich auch im gegenseitigen Schutz widerspiegeln. «Wir bitten alle Feiernden, nicht nur auf sich selbst, sondern auch auf andere zu achten», sagt Schulz. «Wenn jemand auffällig verwirrt wirkt oder von Unbekannten weggeführt wird, sprecht die Person an oder informiert das Sicherheitspersonal.»
Auch die Essener Gastwirte sind sensibilisiert. Viele Kneipen und Clubs haben ihre Mitarbeiter geschult, um Verdachtsfälle zu erkennen. «Unsere Türsteher und Barkeeper achten besonders auf verdächtige Situationen», bestätigt Karl-Heinz Weber vom Gaststättenverband Essen.
Die Essener Beratungsstelle für Opfer von Sexualdelikten bietet außerdem Unterstützung an. «Wer Opfer wurde oder einen Verdacht hat, kann sich jederzeit an uns wenden», erklärt Sozialarbeiterin Jana Müller. Die Beratungsstelle ist unter der Nummer 0201-323344 erreichbar.
Alaaf und Helau – aber sicher!
Die Polizei Essen betont: «Wir wollen niemandem den Spaß am Feiern nehmen, sondern für mehr Sicherheit sorgen.» Mit Vorsicht und gegenseitiger Achtsamkeit steht einer fröhlichen Karnevalszeit nichts im Wege.
«Passt aufeinander auf, feiert gemeinsam und kommt sicher nach Hause», fasst Polizeihauptkommissarin Schulz zusammen. «Dann wird der Karneval das, was er sein soll: eine schöne Zeit für alle.»
Die Essener Karnevalisten nehmen die Warnungen ernst. «Wir thematisieren das auch in unseren Vereinen», sagt Michael Schmidt vom Festkomitee Essener Karneval. «Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass alle sicher durch die närrische Zeit kommen.»
Mit dem richtigen Bewusstsein und gegenseitiger Unterstützung steht einem fröhlichen «Alaaf und Helau» in Essen nichts im Wege – sicher und unbeschwert für alle Jecken.