Mitten im geschäftigen Alltag der Kölner Sparkasse bemerkte Kundenberaterin Tanja Müller etwas Ungewöhnliches. Eine ältere Kundin wollte plötzlich 8.500 Euro an ein Konto in Litauen überweisen. Die Frau wirkte nervös und konnte den Zweck der Überweisung nicht klar erklären. Für Müller ein klares Warnsignal.
«In solchen Momenten müssen wir besonders aufmerksam sein», erklärt Müller. «Wenn langjährige Kunden plötzlich große Summen ins Ausland überweisen wollen, schrilles besonders bei älteren Menschen alle Alarmglocken.»
Die Sparkasse Köln-Bonn und andere Kölner Banken setzen verstärkt auf moderne Technik, um Betrugsfälle zu erkennen. Seit Anfang 2023 nutzen sie KI-Systeme, die verdächtige Transaktionen automatisch erkennen und markieren. Die Ergebnisse sind beeindruckend: Im vergangenen Jahr konnten allein bei der Sparkasse Köln-Bonn über 120 betrügerische Überweisungen mit einem Gesamtvolumen von mehr als 1,2 Millionen Euro verhindert werden.
«Die Betrugsmethoden werden immer raffinierter«, berichtet Michael Schmidt, Sicherheitsbeauftragter der Sparkasse Köln-Bonn. «Früher waren es einfache Phishing-Mails, heute werden Kunden über gefälschte Anrufe, WhatsApp-Nachrichten oder sogar über Dating-Plattformen getäuscht.»
Besonders häufig sind derzeit der Enkeltrick, falsche Polizeibeamte und sogenannte Schockanrufe, bei denen Betrüger vorgeben, ein Angehöriger hätte einen schweren Unfall verursacht und müsse nun eine Kaution hinterlegen. Aber auch Romance Scamming, bei dem Betrüger über Dating-Portale eine Liebesbeziehung vortäuschen und dann Geld erbitten, nimmt zu.
Die neue KI-Software analysiert Überweisungsmuster und erkennt Abweichungen vom normalen Kundenverhalten. Wenn beispielsweise ein Kunde, der sonst nur kleine Beträge in Deutschland überweist, plötzlich 5.000 Euro nach Osteuropa oder Westafrika transferieren will, wird die Transaktion automatisch zur Überprüfung markiert.
«Das System lernt ständig dazu«, erklärt Technikexperte Andreas Weber von der Volksbank Köln. «Es erkennt nicht nur ungewöhnliche Beträge oder Zielländer, sondern auch subtile Muster wie die Tageszeit der Überweisung oder Formulierungen im Verwendungszweck, die auf Betrug hindeuten könnten.»
In Köln haben die Banken auch ihre Mitarbeiter speziell geschult. Peter Krämer, Filialleiter der Deutschen Bank in der Kölner Innenstadt, berichtet: «Unsere Mitarbeiter lernen, auf bestimmte Verhaltensweisen zu achten. Wirkt der Kunde gestresst? Telefoniert er während des Bankbesuchs mit jemandem, der ihm Anweisungen gibt? Hat er ungewöhnliche Erklärungen für große Überweisungen?»
Die enge Zusammenarbeit mit der Kölner Polizei hat sich ebenfalls bewährt. «Wir haben direkte Kontaktwege zu den Banken etabliert», bestätigt Kriminalhauptkommissarin Sabine Wagner vom Kölner Betrugsdezernat. «Wenn Bankmitarbeiter einen Verdacht haben, können sie uns sofort kontaktieren. Diese Kooperation hat schon viele Betrugsfälle verhindert.»
Im Fall der älteren Kundin in der Sparkasse stellte sich heraus, dass sie Opfer eines Betrügers geworden war, der sich als Microsoft-Mitarbeiter ausgegeben hatte. Er behauptete, ihr Computer sei von Viren befallen und sie müsse für die «Reinigung» bezahlen.
«Die Dame war sehr dankbar, dass wir eingegriffen haben», erzählt Kundenberaterin Müller. «Viele Betroffene schämen sich, wenn sie auf Betrüger hereingefallen sind. Dabei kann es jedem passieren.»
Die Banken raten allen Kölnern zu gesundem Misstrauen bei ungewöhnlichen Geldanfragen. «Nehmen Sie sich Zeit, überlegen Sie in Ruhe und sprechen Sie mit Vertrauenspersonen», empfiehlt Schmidt von der Sparkasse. «Und ganz wichtig: Niemand von uns wird Sie jemals am Telefon nach TANs oder Passwörtern fragen oder Sie zu einer dringenden Überweisung drängen.»
Für die Zukunft planen die Kölner Banken weitere Verbesserungen ihrer Sicherheitssysteme. Die KI-Software wird kontinuierlich aktualisiert, um neue Betrugsmaschen erkennen zu können. Zudem sollen Kunden verstärkt über mögliche Gefahren informiert werden, besonders in den Stadtteilen mit vielen älteren Bewohnern wie Lindenthal oder Rodenkirchen.
«Es ist ein ständiges Wettrüsten«, fasst Schmidt zusammen. «Aber mit der Kombination aus technischen Lösungen, geschultem Personal und aufmerksamen Kunden sind wir gut aufgestellt im Kampf gegen Betrüger.»
Die Erfolge geben den Kölner Banken recht: Im Vergleich zum Vorjahr ist die Zahl der erfolgreichen Betrugsfälle um etwa 30 Prozent zurückgegangen. Ein wichtiger Schritt zum Schutz der Kölner Bürger und ihres hart verdienten Geldes.