In Berlin haben sich mehrere Imbissbetreiber zu einer bemerkenswerten Aktion zusammengeschlossen. Unter dem Motto «Keiner isst allein» verteilen sie kostenlose Mahlzeiten an Menschen in Not. Die Initiative zeigt, wie lokale Unternehmen soziale Verantwortung übernehmen und gleichzeitig Gemeinschaftsgefühl in der Hauptstadt stärken.
«Wir sehen täglich Menschen, die hungrig vor unseren Läden stehen, aber sich kein Essen leisten können», erklärt Mehmet Öztürk, Besitzer eines Döner-Imbisses in Neukölln. «Irgendwann haben wir beschlossen: Das können wir nicht mehr ignorieren.» Sein Imbiss gehört zu den mittlerweile 23 teilnehmenden Betrieben in verschiedenen Stadtteilen.
Die Aktion funktioniert denkbar einfach: Bedürftige können ohne Nachweise oder komplizierte Anmeldung eine warme Mahlzeit erhalten. Die Betreiber haben dafür ein eigenes Ausgabesystem entwickelt, das die Würde der Empfänger wahrt. Zwischen 14 und 16 Uhr werden täglich durchschnittlich 15 bis 20 Mahlzeiten pro Imbiss verteilt.
Das Bezirksamt Neukölln unterstützt die Initiative inzwischen mit einer kleinen finanziellen Förderung. «Diese Aktion zeigt bürgerschaftliches Engagement in seiner besten Form», lobt Bezirksstadträtin Mirjam Blumenthal. «Hier helfen Menschen ohne bürokratische Hürden direkt und unkompliziert.»
Die Stadtgesellschaft reagiert überwältigend positiv. Viele Anwohner beteiligen sich inzwischen mit dem Konzept des «aufgeschobenen Essens» – sie bezahlen eine Mahlzeit zusätzlich, die später an Bedürftige ausgegeben wird. «Das schafft eine Verbindung zwischen Menschen, die sich sonst vielleicht nie begegnen würden», berichtet Ayse Demir, die einen Gemüseladen mit kleiner Suppenküche in Kreuzberg betreibt.
Besonders in den Wintermonaten ist der Bedarf groß. Nach Schätzungen der Berliner Stadtmission leben etwa 10.000 Menschen in Berlin ohne festen Wohnsitz. Für viele von ihnen sind die kostenlosen Mahlzeiten eine wichtige Unterstützung. «Seit drei Monaten komme ich jeden Dienstag und Freitag», erzählt Michael (54), der nach einem Jobverlust seine Wohnung aufgeben musste. «Es geht nicht nur ums Essen, sondern auch ums Gesehen-Werden. Hier werde ich als Mensch behandelt.»
Die Initiative plant nun, ihr Netzwerk weiter auszubauen. Ab nächstem Monat sollen weitere zehn Imbisse in den östlichen Bezirken teilnehmen. «Unser Ziel ist, in jedem Berliner Stadtteil mindestens einen teilnehmenden Imbiss zu haben», erklärt Koordinator Deniz Yilmaz.
Wer die Aktion unterstützen möchte, kann dies durch den Kauf eines «aufgeschobenen Essens» in teilnehmenden Imbissen tun oder sich direkt bei der Initiative für ehrenamtliche Mithilfe melden. Eine Übersicht aller teilnehmenden Betriebe ist über die Bezirksämter erhältlich.
Die Berliner Imbissaktion zeigt, dass auch kleine Betriebe einen bedeutenden sozialen Beitrag leisten können. Sie verbindet kulinarische Vielfalt mit Solidarität und macht satt – im doppelten Sinne.