Die Stille der leeren Höfe hallt durch unser Land. Auf meinen Reisen durch ländliche Regionen sehe ich zunehmend verwaiste Bauernhöfe – stumme Zeugen einer schleichenden Krise. Die deutsche Landwirtschaft steht 2024 vor existentiellen Herausforderungen. Täglich geben durchschnittlich fünf Betriebe auf. Eine Entwicklung, die mich als Kind vom Land besonders berührt.
Die Gründe sind vielschichtig. Bürokratische Hürden, steigende Betriebskosten und schwankende Marktpreise setzen den Landwirten zu. Hinzu kommen Umweltauflagen und der Klimawandel. «Wir kämpfen an zu vielen Fronten gleichzeitig», erzählte mir Georg Meier, Milchbauer aus Bayern, letzte Woche. Seine wettergegerbten Hände umklammerten die Kaffeetasse, während er vom Preisdruck durch Handelskonzerne berichtete. Besonders kleine Familienbetriebe können kaum noch mithalten. Laut Rentenbank-Agrarbarometer sehen viele Landwirte keine Zukunft mehr.
Der Generationenwechsel verschärft das Problem. Junge Menschen scheuen das Risiko und die harte Arbeit. Vergangenen Sommer besuchte ich den Hof meiner Großtante. Früher ein lebendiger Ort mit Tieren und Geschwätz. Heute steht der Melkstand leer. Die Felder hat sie verpachtet. Ihre Kinder haben in der Stadt studiert. Ein typisches Schicksal.
Die Krise der Landwirtschaft ist auch eine Krise unserer Kulturlandschaft. Wenn Höfe verschwinden, verändern sich Dörfer und Traditionen. Wir verlieren mehr als nur Nahrungsmittelproduzenten. Es geht um unsere Wurzeln, um regionale Identität. Die Zukunft unserer Ernährung liegt in unseren Händen – ob wir wollen oder nicht.