Der Winter zeigt endlich sein frostiges Gesicht. Draußen klirrt die Kälte, und die Thermometer sinken weiter. Was bisher nur vereinzelte Frosttage waren, entwickelt sich nun zu einer stabilen Wetterlage. Aus dem Osten strömt arktische Kaltluft nach Deutschland und richtet sich häuslich ein.
Die Wetterexperten sprechen von einer klassischen Ostlage. «Wir erleben jetzt den ersten richtigen Wintereinbruch seit Jahren mit länger anhaltenden Minusgraden«, erklärt Meteorologe Dr. Michael Hoffmann. In manchen Regionen Ostdeutschlands werden nachts bereits zweistellige Minusgrade gemessen. Tagsüber bleibt es vielerorts bei Dauerfrost. Die kalte Luftmasse hat sich wie ein schwerer Mantel über das Land gelegt und zeigt keine Anzeichen, bald wieder zu verschwinden.
Gestern stand ich frierend an der Bushaltestelle, die Finger trotz Handschuhen steif vor Kälte. Eine ältere Dame neben mir lächelte wissend: «Früher war das normal, junges Fräulein.» Tatsächlich kannten viele Deutsche solche Winterperioden nur noch aus Erzählungen. Seit Jahren dominierten milde Winter unser Klima. Die aktuelle Kältewelle könnte jedoch länger anhalten als gewohnt. Meteorologische Modelle deuten auf mindestens zwei weitere Wochen mit Temperaturen deutlich unter dem Gefrierpunkt hin.
Diese Rückkehr des «echten Winters» wirkt wie ein Anachronismus in Zeiten der Klimaerwärmung. Doch Experten warnen: Einzelne Kälteperioden widerlegen nicht den langfristigen Erwärmungstrend. Sie sind vielmehr Teil einer zunehmenden Wetterextremisierung. Was bleibt, ist die Erkenntnis, dass wir die Winterjacken vorerst nicht wieder in den Schrank hängen sollten.