Ein lauter Knall hat am Nachmittag viele Essener Bürger aufgeschreckt und zu zahlreichen besorgten Anrufen bei der Polizei geführt. Das explosionsartige Geräusch war gegen 15:30 Uhr in mehreren Stadtteilen zu hören und löste einen Großeinsatz der Einsatzkräfte aus.
«Die Leitstelle wurde regelrecht mit Anrufen überflutet», berichtet Polizeisprecherin Julia Neumann. «Viele Bürger waren verständlicherweise beunruhigt durch die Lautstärke und die Reichweite des Knalls.» Besonders in den Stadtteilen Rüttenscheid, Holsterhausen und Südostviertel meldeten Anwohner das laute Geräusch.
Die Polizei rückte mit mehreren Streifenwagen aus und suchte die möglichen Ursprungsorte ab. Auch die Feuerwehr wurde vorsorglich alarmiert. Nach intensiver Suche konnte jedoch zunächst keine Ursache für den Knall festgestellt werden.
«Wir haben alle gemeldeten Bereiche gründlich untersucht, aber keine Schäden, Rauchentwicklung oder andere Anzeichen einer Explosion gefunden», erklärt Einsatzleiter Thomas Weber von der Feuerwehr Essen. «Das ist durchaus ungewöhnlich bei der Intensität des Geräuschs.»
Spekulationen in sozialen Medien reichten von einem Überschallknall durch ein Militärflugzeug bis hin zu einer Gasexplosion. Die Behörden konnten diese Theorien jedoch schnell entkräften. Das Luftwaffenkommando bestätigte auf Anfrage, dass keine Übungsflüge in der Region stattgefunden haben, und die Stadtwerke meldeten keine Störungen im Gasnetz.
Anwohnerin Petra Schmitz aus Rüttenscheid beschreibt ihre Erfahrung: «Ich stand gerade in der Küche, als plötzlich alles vibrierte. Meine Tassen im Schrank haben geklappert und mein Hund ist sofort unter den Tisch geflüchtet. Es klang wie eine massive Explosion, aber irgendwie gedämpft.»
Auch in lokalen Geschäften sorgte der Knall für Aufregung. «Unsere Kunden haben alle gleichzeitig aufgeschaut», berichtet Einzelhändler Markus Bauer. «Einige sind sogar nach draußen gegangen, um nachzuschauen, was passiert ist.»
Die Polizei Essen bittet weiterhin um Hinweise aus der Bevölkerung, die zur Aufklärung beitragen könnten. Besonders gesucht werden Beobachtungen im Zeitraum zwischen 15:15 und 15:45 Uhr. «Jedes Detail könnte wichtig sein, um die Ursache zu ermitteln», betont Polizeisprecherin Neumann.
Experten halten verschiedene Erklärungen für möglich. Der Geophysiker Dr. Stefan Keller von der Universität Duisburg-Essen vermutet: «Solche Phänomene können verschiedene Ursachen haben – von seismischen Ereignissen über Druckausgleiche in der Atmosphäre bis hin zu industriellen Vorfällen. Ohne klare Beweise ist eine genaue Zuordnung schwierig.»
Die Behörden geben vorerst Entwarnung. «Es besteht keine Gefahr für die Bevölkerung. Alle kritischen Infrastrukturen in der Stadt funktionieren normal», versichert ein Sprecher der Stadtverwaltung.
Ein ähnlicher Vorfall ereignete sich bereits im vergangenen Jahr, als ein lauter Knall im Essener Norden für Verunsicherung sorgte. Damals stellte sich heraus, dass kontrollierte Sprengarbeiten auf einem Industriegelände die Ursache waren, die nicht ausreichend angekündigt wurden.
Die Polizei Essen wird die Ermittlungen fortsetzen und bittet Bürger, ungewöhnliche Beobachtungen unter der Telefonnummer 0201-8291065 zu melden. Sobald neue Erkenntnisse zur Ursache des mysteriösen Knalls vorliegen, wird die Bevölkerung informiert.