Die Morgenstille zerriss wie Glas. Ein Knall nach dem anderen hallte über die A42 bei Castrop-Rauxel. Die Bilder, die ich später sah, sprachen eine deutliche Sprache: zwanzig Fahrzeuge, ineinander verkeilt wie ein bizarres Puzzle aus Blech und Glas. Eine Massenkarambolage, die den Freitagmorgen im Ruhrgebiet zum Stillstand brachte.
Der dichte Nebel hatte sich wie ein trügerischer Schleier über die Autobahn gelegt. Sichtweiten unter 50 Meter, sagen Augenzeugen. Dazu kam vermutlich überhöhte Geschwindigkeit – eine gefährliche Mischung. Polizeisprecher Michael Franz erklärte mir am Telefon: «Bei solchen Wetterbedingungen reicht oft ein kleiner Moment der Unachtsamkeit, und schon ist die Kettenreaktion nicht mehr aufzuhalten.» In solchen Augenblicken wird der morgendliche Berufsverkehr zur Falle. Sieben Verletzte wurden gezählt, zum Glück niemand lebensgefährlich. Als ich vor drei Jahren selbst in einen Nebelunfall geriet, wenn auch glimpflicher, spürte ich diese lähmende Hilflosigkeit, wenn plötzlich alles zu spät ist.
Die Fahrbahn Richtung Duisburg blieb stundenlang gesperrt. Pendler standen im Stau oder suchten verzweifelt Umwege durch das ohnehin überlastete Straßennetz des Reviers. Es ist ein Weckruf in der Nebelzeit. Während Abschleppwagen die Unfallstelle räumten, fragte ich mich: Wie oft noch müssen wir diese Bilder sehen, bis wir bei schlechter Sicht endlich den Fuß vom Gas nehmen?