Letzte Woche stand ich am Bahnhof. Neben mir wartete eine syrische Familie. Die Mutter half ihrem Sohn bei Mathehausaufgaben. Der Vater telefonierte auf Deutsch mit seinem Chef. Eine ganz normale Szene. Doch Bundeskanzler Merz möchte, dass 80 Prozent dieser Menschen Deutschland verlassen. In drei Jahren sollen sie zurück nach Syrien. Dabei zeigen neue Zahlen: Viele haben hier längst Fuß gefasst.
Die Bundesagentur für Arbeit hat 213.000 Syrer über acht Jahre beobachtet. Das Ergebnis überrascht. 2017 arbeiteten nur 20.000 von ihnen. Ende 2024 waren es 111.000. Die meisten zahlen Sozialversicherungsbeiträge. Sie finanzieren unser Rentensystem mit. „Die Integration in den Arbeitsmarkt erfolgt schrittweise», heißt es im BA-Bericht. Keine Erfolgsstory über Nacht also. Sondern harte Arbeit. Sprachkurse, Qualifizierungen, Ausbildungen. Ich erinnere mich an Samir, den ich vor zwei Jahren interviewte. Damals putzte er Büros. Heute arbeitet er als Mechatroniker. „Deutschland hat mir eine Chance gegeben», sagte er damals. Inzwischen sind knapp 300.000 Syrer in Deutschland beschäftigt. Etwa die Hälfte auf Fachkraftniveau. Das Durchschnittsalter liegt bei 27 Jahren. Junge Menschen, die unsere Wirtschaft dringend braucht.
Die Zahlen zeigen etwas Wichtiges. Integration braucht Zeit. Wer sieben Jahre bleibt, hat zu 61 Prozent Arbeit. Die Arbeitslosenquote sinkt kontinuierlich. Merz plant eine Taskforce mit Syriens Übergangspräsidenten. Doch was bedeutet das für Menschen, die hier arbeiten, Steuern zahlen, Wurzeln schlagen? Die Frage bleibt offen. Und sie betrifft uns alle.