In der Münchner Lerchenau kam es gestern Abend zu einem Gewaltvorfall, der die Anwohner in Sorge versetzt. Ein 43-jähriger Mann soll einen 52-jährigen Nachbarn mit einem Messer angegriffen und schwer verletzt haben. Nach einer intensiven Fahndung konnte die Polizei den Tatverdächtigen noch am selben Abend festnehmen.
Der Vorfall ereignete sich gegen 19:30 Uhr in einem Mehrfamilienhaus in der Lerchenauer Straße. Nach ersten Erkenntnissen der Polizei entwickelte sich zunächst ein lautstarker Streit zwischen den beiden Männern im Treppenhaus. Was als verbale Auseinandersetzung begann, eskalierte schnell. Der 43-Jährige soll plötzlich ein Messer gezogen und mehrfach auf sein Gegenüber eingestochen haben.
Anwohner, die durch die Schreie alarmiert wurden, wählten sofort den Notruf. «Ich hörte laute Rufe und dann einen schrecklichen Schrei», berichtete eine Nachbarin, die anonym bleiben möchte. «Als ich vorsichtig nachschaute, sah ich Blut im Treppenhaus und habe sofort die 110 gewählt.»
Die Rettungskräfte trafen schnell ein und versorgten den schwer verletzten 52-Jährigen. Er erlitt mehrere Stichverletzungen im Oberkörper und wurde in kritischem Zustand ins Krankenhaus gebracht. Nach Angaben der behandelnden Ärzte ist sein Zustand inzwischen stabil, er befindet sich aber weiterhin auf der Intensivstation.
Der Tatverdächtige flüchtete unmittelbar nach der Tat aus dem Gebäude. Die Polizei leitete sofort eine Großfahndung ein und setzte dabei auch einen Hubschrauber ein. Mehrere Streifenwagen durchkämmten die umliegenden Straßen. Die Beamten sperrten zeitweise Teile der Lerchenauer Straße ab, was bei Anwohnern und Passanten für Aufsehen sorgte.
«Wir haben alle verfügbaren Kräfte mobilisiert», erklärte Polizeisprecher Michael Wagner. «Durch Zeugenhinweise und die schnelle Reaktion unserer Einsatzkräfte konnten wir den Verdächtigen etwa zwei Stunden nach der Tat in der Nähe des Lerchenauer Sees festnehmen.»
Bei der Festnahme leistete der Mann keinen Widerstand. Die mutmaßliche Tatwaffe, ein Küchenmesser mit einer Klingenlänge von etwa 15 Zentimetern, wurde sichergestellt. Der Tatverdächtige wurde zur Vernehmung auf die Polizeiwache gebracht, wo er bislang keine Aussage machte.
Nach ersten Ermittlungen der Kriminalpolizei kannten sich die beiden Männer. Sie wohnten im selben Gebäude und sollen bereits in der Vergangenheit Konflikte gehabt haben. Nachbarn berichten von wiederholten Auseinandersetzungen in den letzten Wochen. «Die beiden hatten öfter Streit, aber dass es so weit kommen würde, hätte niemand gedacht», sagte ein langjähriger Bewohner des Hauses.
Die Staatsanwaltschaft München I hat ein Verfahren wegen versuchten Totschlags eingeleitet. Der 43-jährige Deutsche soll heute dem Haftrichter vorgeführt werden. Ihm droht bei einer Verurteilung eine mehrjährige Haftstrafe.
Das Kommissariat 11, zuständig für Kapitaldelikte, hat die Ermittlungen übernommen. Die Beamten suchen weiterhin nach Zeugen, die Hinweise zum Tatgeschehen geben können. Besonders wichtig sind Beobachtungen zur Flucht des Täters und mögliche Informationen über das Motiv.
In der Nachbarschaft sorgt der Vorfall für Verunsicherung. «So etwas ist hier noch nie passiert», sagte eine ältere Dame, die seit über 20 Jahren in der Gegend wohnt. «Die Lerchenau ist eigentlich ein ruhiges Viertel.»
Die Polizei versucht, die Anwohner zu beruhigen. «Es handelt sich um eine Auseinandersetzung zwischen zwei Personen, die sich kannten. Eine Gefahr für die Öffentlichkeit bestand zu keinem Zeitpunkt», betonte der Polizeisprecher. Dennoch werden die Streifen in den nächsten Tagen verstärkt in der Gegend präsent sein.
Gewaltdelikte dieser Art sind im Münchner Stadtgebiet vergleichsweise selten. Die Polizeistatistik zeigt, dass München zu den sichersten Großstädten Deutschlands gehört. Dennoch haben Messerangriffe in den vergangenen Jahren zugenommen. Die Polizei verzeichnete im letzten Jahr 412 Fälle, in denen ein Messer als Tatwaffe eingesetzt wurde – ein Anstieg von knapp acht Prozent im Vergleich zum Vorjahr.
Für die Bewohner der Lerchenau bleibt zu hoffen, dass sich der Zustand des Opfers weiter stabilisiert und die Ermittlungen schnell Klarheit über die Hintergründe der Tat bringen.