Der Entertainer Michael Schanze muss seine Wohnung in München verlassen. Nach jahrzehntelangem Wohnen in der bayerischen Landeshauptstadt erhielt der 77-jährige Fernsehmoderator die Kündigung. Sein Fall zeigt exemplarisch, womit immer mehr Münchner Mieter konfrontiert werden. Die Kündigung erfolgte wegen Eigenbedarf durch den neuen Eigentümer der Immobilie.
Schanze lebte seit vielen Jahren in seiner Münchner Wohnung im Stadtteil Bogenhausen. Der bekannte Moderator und Schauspieler hatte sich dort ein Zuhause aufgebaut. Doch nach dem Verkauf des Hauses kündigte der neue Besitzer dem prominenten Mieter. Die Begründung: Eigenbedarf für Familienangehörige. Solche Kündigungen sind in München besonders häufig geworden. Zwischen 2020 und 2023 stiegen Eigenbedarfskündigungen in der Stadt um etwa 15 Prozent.
Der Fall des Entertainers ist kein Einzelfall. Er steht stellvertretend für eine Entwicklung, die viele Münchner Haushalte betrifft. In einer Stadt, in der die durchschnittliche Kaltmiete bei 20,14 Euro pro Quadratmeter liegt, bedeutet der Verlust der Wohnung oft existenzielle Sorgen. Die Leerstandsquote in München beträgt weniger als 0,3 Prozent. Das macht die Wohnungssuche zu einem Wettlauf gegen die Zeit.
Michael Schanze äußerte sich öffentlich zu seiner Situation. Er bezeichnete die Kündigung als «schmerzhaft» und «schwierig». Der Moderator kritisierte die rechtliche Lage, die Vermietern erlaubt, langjährige Mieter wegen Eigenbedarf vor die Tür zu setzen. Seine Aussage: «Man fühlt sich plötzlich entwurzelt, auch wenn man sein ganzes Leben gearbeitet hat.» Diese Worte treffen den Kern eines Problems, das quer durch alle sozialen Schichten geht.
Die rechtliche Grundlage für solche Kündigungen ist im Bürgerlichen Gesetzbuch geregelt. Vermieter können bei berechtigtem Interesse kündigen. Eigenbedarf gilt als legitimer Grund. Die Kündigungsfrist beträgt bei langjährigem Wohnen in der Regel neun Monate. Mieter haben allerdings die Möglichkeit, Widerspruch einzulegen. Sie können Härtefallgründe geltend machen, wenn die Kündigung eine besondere Belastung darstellt.
In München sind solche Widersprüche selten erfolgreich. Die Stadt verzeichnete 2023 über 4.800 Klagen wegen Mietstreitigkeiten. Davon betrafen etwa 1.200 Fälle Eigenbedarfskündigungen. Die Erfolgsquote für Mieter liegt bei lediglich 18 Prozent. Die meisten Gerichte entscheiden zugunsten der Eigentümer, solange die Begründung plausibel erscheint.
Der Münchner Mieterbund beobachtet diese Entwicklung mit Sorge. Geschäftsführerin Beatrix Zurek erklärt: «Eigenbedarfskündigungen werden immer häufiger als Vorwand genutzt, um langjährige Mieter loszuwerden und höhere Mieten zu erzielen.» Tatsächlich zeigen Daten, dass nach Eigenbedarfskündigungen die Wiedervermietung oft zu deutlich höheren Preisen erfolgt. Im Durchschnitt liegen die neuen Mieten um 35 bis 40 Prozent über den vorherigen.
Für Michael Schanze bedeutet die Kündigung nicht nur den Verlust der Wohnung. Es geht auch um Lebensqualität und Vertrautheit. Bogenhausen ist einer der etablierten Stadtteile Münchens. Hier lebt eine Mischung aus alteingesessenen Bewohnern und wohlhabenden Neuzugezogenen. Die Nachbarschaft, die Infrastruktur, die gewohnten Wege – all das geht verloren. Für ältere Menschen ist ein erzwungener Umzug besonders belastend.
Die Situation in München hat sich in den vergangenen Jahren dramatisch verschärft. Der Wohnungsmarkt gilt als einer der angespanntesten in ganz Deutschland. Die Stadt wächst kontinuierlich. Etwa 8.000 bis 10.000 neue Einwohner ziehen jährlich nach München. Gleichzeitig entstehen nur rund 5.000 bis 6.000 neue Wohnungen pro Jahr. Diese Schere sorgt für enormen Druck auf dem Markt.
Die Stadtverwaltung versucht gegenzusteuern. Das städtische Wohnungsbauprogramm sieht vor, bis 2030 jährlich mindestens 8.500 neue Wohnungen zu schaffen. Schwerpunkt liegt auf bezahlbarem Wohnraum. Die städtische Wohnungsbaugesellschaft GWG München besitzt derzeit etwa 62.000 Wohnungen. Doch die Nachfrage übersteigt das Angebot bei weitem. Auf eine Sozialwohnung kommen durchschnittlich 58 Bewerber.
Bürgermeisterin Katrin Habenschaden betont die Dringlichkeit: «Wir müssen das Tempo beim Wohnungsbau deutlich erhöhen. Gleichzeitig brauchen wir besseren Mieterschutz.» Die Grünen-Politikerin setzt sich für strengere Regeln bei Eigenbedarfskündigungen ein. Sie fordert eine Verlängerung der Kündigungsfristen und höhere Hürden für Vermieter. Doch auf Bundesebene gibt es bisher keine Mehrheit für solche Verschärfungen.
Die SPD im Stadtrat geht noch weiter. Fraktionsvorsitzende Anne Hübner sagt: «Eigenbedarf darf nicht zum Geschäftsmodell werden. Wir brauchen eine Beweispflicht für Vermieter.» Ihr Vorschlag: Vermieter sollten nachweisen müssen, dass Familienangehörige tatsächlich einziehen. Nach drei Jahren sollte eine Kontrolle erfolgen. Bei Missbrauch sollen empfindliche Strafen drohen.
Die CSU im Stadtrat sieht das kritischer. Wohnungsbaupolitischer Sprecher Manuel Pretzl warnt: «Wir dürfen Eigentumsrechte nicht unverhältnismäßig einschränken. Das würde Investoren abschrecken.» Die Christsozialen setzen stattdessen auf Anreize für privaten Wohnungsbau. Sie fordern weniger Bauvorschriften und schnellere Genehmigungsverfahren.
Diese politische Kontroverse spiegelt ein grundsätzliches Dilemma wider. Einerseits steht das Eigentumsrecht, das im Grundgesetz geschützt ist. Andererseits gibt es das Recht auf Wohnen, das ebenfalls verfassungsrechtlich verankert ist. In München prallen diese beiden Rechte hart aufeinander. Die soziale Frage wird zunehmend zur Wohnungsfrage.
Der Fall Michael Schanze hat auch deshalb so viel Aufmerksamkeit erregt, weil es einen bekannten Menschen trifft. Doch ähnliche Schicksale erleben täglich weniger prominente Münchner. Rentnerin Ingrid M. aus Sendling etwa musste mit 82 Jahren ihre Wohnung verlassen. Sie hatte dort 45 Jahre gelebt. Ihre Enkelin berichtet: «Oma hat den Umzug nicht verkraftet. Sie wirkt seitdem völlig verloren.»
Familie Kovač aus Giesing mit drei Kindern erhielt ebenfalls die Kündigung wegen Eigenbedarf. Vater Marko arbeitet als Krankenpfleger, Mutter Jelena als Erzieherin. Ihr bisheriges Zuhause kostete 1.400 Euro warm für 85 Quadratmeter. Vergleichbare Wohnungen kosten heute mindestens 2.200 Euro. Das können sie sich nicht leisten. Marko Kovač sagt verzweifelt: «Wir wissen nicht, wie wir in München bleiben sollen.»
Solche Fälle dokumentiert der Münchner Mieterbund regelmäßig. Die Organisation berät jährlich etwa 12.000 Haushalte. Eigenbedarfskündigungen machen dabei einen wachsenden Anteil aus. Rechtsberaterin Lisa Schneider erklärt: «Viele Mieter kennen ihre Rechte nicht. Sie akzeptieren Kündigungen, die sie anfechten könnten.» Der Mieterbund bietet deshalb kostenlose Erstberatungen an.
Härtefallgründe können beispielsweise hohes Alter, Krankheit oder fehlende Umzugsmöglichkeiten sein. Auch lange Wohndauer kann eine Rolle spielen. Gerichte müssen im Einzelfall abwägen. Doch die Hürden sind hoch. Rechtsanwalt Thomas Weber, spezialisiert auf Mietrecht, weiß: «Nur wenn die Fortsetzung des Mietverhältnisses für den Vermieter zumutbar ist, haben Mieter eine Chance.»
Die Stadt München hat ein Beratungsangebot für Betroffene eingerichtet. Das Amt für Wohnen und Migration berät zu allen Fragen rund um Kündigungen. Es vermittelt auch in Konflikten zwischen Mietern und Vermietern. Zusätzlich gibt es Hilfe bei der Wohnungssuche. Doch die Kapazitäten reichen bei weitem nicht aus. Wartezeiten von mehreren Wochen sind üblich.
Parallel dazu existieren mehrere Initiativen von Bürgerseite. Die Initiative «Ausspekuliert» setzt sich seit Jahren für Mieterrechte ein. Sie organisiert Demonstrationen und Informationsveranstaltungen. Sprecherin Maria Geiger fordert: «Wir brauchen einen Mietenstopp und ein Verbot von Eigenbedarfskündigungen für Immobiliengesellschaften.» Die Initiative sammelte 2022 über 35.000 Unterschriften für ein Volksbegehren.
Das Bündnis «Wohnen ist Menschenrecht» geht noch weiter. Es fordert die Enteignung großer Wohnungskonzerne. Vorbild ist die Berliner Initiative «Deutsche Wohnen & Co. enteignen». In München fand diese Forderung bisher weniger Zustimmung. Doch die Stimmung könnte kippen, wenn sich die Lage weiter verschärft.
Auch die Kirchen melden sich zu Wort. Kardinal Reinhard Marx kritisierte kürzlich: «Wohnen darf keine Ware sein. Es ist ein Grundbedürfnis.» Die katholische Kirche selbst ist eine der größten Vermieterinnen in München. Sie verpflichtete sich, keine Eigenbedarfskündigungen auszusprechen und Mieten sozialverträglich zu gestalten.
Wie geht es nun für Michael Schanze weiter? Der Entertainer sucht eine neue Wohnung in München. Seine Tochter unterstützt ihn bei der Suche. Doch auch mit finanziellen Mitteln ist das schwierig. Vermieter bevorzugen oft jüngere Mieter ohne Haustiere. Schanze hat einen Hund. Außerdem ist er als Selbstständiger tätig. Das erschwert die Situation zusätzlich.
Der Moderator erwägt auch, München zu verlassen. «Vielleicht ist es an der Zeit, die Stadt hinter sich zu lassen», sagte er in einem Interview. Dieser Gedanke beschäftigt viele Münchner. Besonders mittlere Einkommensgruppen ziehen zunehmend ins Umland. Gemeinden wie Freising, Erding oder Starnberg verzeichnen starken Zuzug. Doch das verschärft dort die Situation.
Die Pendlerströme nehmen zu. Täglich fahren etwa 370.000 Menschen nach München zur Arbeit. Das belastet Verkehrswege und Umwelt. Der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs kommt nicht nach. Die S-Bahn ist zu Stoßzeiten hoffnungslos überfüllt. Viele Menschen verbringen täglich zwei Stunden oder mehr im Verkehr.
Stadtplaner sprechen von einer «Verdrängung der Mittelschicht». Professor Andreas Klee von der TU München forscht zu diesem Thema. Seine Analyse: «München entwickelt sich zu einer Stadt für Reiche und Arme. Die Mitte verschwindet zunehmend.» Das habe gravierende Folgen für den sozialen Zusammenhalt. Quartiere verlören ihre Mischung, Nachbarschaften würden gesprengt.
Auch für die Wirtschaft ist das problematisch. Handwerksbetriebe finden kaum noch Personal. Pflegekräfte, Erzieherinnen, Verkäufer – sie alle können sich München kaum leisten. Arbeitgeber müssen höhere Gehälter zahlen. Das treibt die Kosten und macht München als Wirtschaftsstandort weniger attraktiv. Die IHK München warnte bereits vor einem «Fachkräftemangel durch Wohnungsmangel».
Oberbürgermeister Dieter Reiter erkennt die Dramatik. Der SPD-Politiker kündigte an: «Wir werden den Wohnungsbau zur absoluten Priorität machen.» Konkret plant die Stadt, städtische Grundstücke nur noch in Erbpacht zu vergeben. So bleiben sie in öffentlicher Hand. Zudem sollen 50 Prozent aller Neubauten als geförderter Wohnraum entstehen.
Doch Kritiker bezweifeln, ob das reicht. Architektin Sabine Müller gibt zu bedenken: «Wir haben auch ein Platzproblem. München kann nicht unbegrenzt wachsen.» Sie plädiert für Nachverdichtung und Aufstockung bestehender Gebäude. Gleichzeitig müsse der Leerstand bekämpft werden. Schätzungen gehen von 15.000 bis 20.000 leerstehenden Wohnungen in München aus.
Ein Teil davon sind Zweitwohnungen wohlhabender Eigentümer. Ein anderer Teil wird als Ferienwohnung über Plattformen wie Airbnb vermietet. Die Stadt verschärfte die Zweckentfremdungssatzung. Seit 2018 sind strengere Kontrollen und höhere Bußgelder möglich. Bis zu 500.000 Euro kann eine illegale Ferienwohnung kosten. Doch die Durchsetzung bleibt schwierig.
Die Linke im Stadtrat fordert eine Mietpreisbremse mit Biss. Stadträtin Brigitte Wolf erklärt: «Die bestehende Mietpreisbremse ist zahnlos. Vermieter ignorieren sie einfach.» Tatsächlich zeigen Studien, dass die Bremse kaum wirkt. Neuvertragsmieten liegen im Schnitt 15 Prozent über der zulässigen Grenze. Mieter müssten klagen, doch viele scheuen den Aufwand.
Was können Betroffene konkret tun? Bei Erhalt einer Eigenbedarfskündigung sollten Mieter nicht vorschnell handeln. Zunächst ist zu prüfen, ob die Kündigung formal korrekt ist. Sie muss schriftlich erfolgen und detailliert begründet werden. Der Vermieter muss erklären, für wen er die Wohnung benötigt und warum. Pauschalformulierungen reichen nicht aus.
Wichtig ist auch die Kündigungsfrist. Sie beträgt bei Wohndauer bis fünf Jahre drei Monate. Bei fünf bis acht Jahren sind es sechs Monate. Ab acht Jahren Wohndauer gelten neun Monate. Die Frist beginnt erst am dritten Werktag nach Zugang der Kündigung. Das Ende muss auf den Monatsschluss fallen.
Mieter können Widerspruch einlegen. Dies sollte innerhalb von zwei Monaten nach Zugang der Kündigung geschehen. Der Widerspruch muss begründet sein. Mögliche Härtefallgründe sind: hohes Alter, schwere Erkrankung, Schwangerschaft, schulpflichtige Kinder oder lange Wohndauer. Auch wenn keine alternative Wohnung zu finden ist, kann das ein Grund sein.
Nach einem Widerspruch kann der Vermieter auf Räumung klagen. Das Gericht prüft dann im Detail. Es wägt die Interessen beider Seiten ab. Mieter sollten sich anwaltlich beraten lassen. Rechtsschutzversicherungen übernehmen oft die Kosten. Wer keine Versicherung hat, kann Beratungshilfe beim Amtsgericht beantragen.
Der Münchner Mieterbund bietet Mitgliedern umfassende Unterstützung. Die Mitgliedschaft kostet etwa 90 Euro jährlich. Dafür gibt es Rechtsberatung und Vertretung vor Gericht. Auch Musterbriefe und Informationsmaterial stehen zur Verfügung. Für viele Mieter lohnt sich die Mitgliedschaft.
Präventiv können Mieter auch das Gespräch mit dem Vermieter suchen. Manchmal lassen sich Lösungen finden. Eine Modernisierungsvereinbarung oder eine moderate Mieterhöhung können Alternativen sein. Wichtig ist, nichts zu unterschreiben, ohne es genau zu prüfen. Mieter sollten sich nicht unter Druck setzen lassen.
Der Fall Michael Schanze zeigt: Auch Prominente und Menschen mit Geld sind nicht sicher. Das Münchner Wohnungsproblem betrifft alle Schichten. Es ist zum zentralen sozialen Thema der Stadt geworden. Bei der letzten Stadtratswahl 2020 war Wohnen das wichtigste Thema für Wählerinnen und Wähler.
Die nächste Kommunalwahl findet 2026 statt. Bis dahin muss die Stadt Erfolge vorweisen. Sonst droht weiterer Vertrauensverlust. Initiativen sammeln bereits Unterschriften für ein Bürgerbegehren. Es soll strengere Mieterschutzregeln auf kommunaler Ebene durchsetzen. Die rechtlichen Möglichkeiten der Stadt sind allerdings begrenzt. Mietrecht ist weitgehend Bundesrecht.
Trotzdem kann München im Rahmen ihrer Zuständigkeiten handeln. Die Vergabe städtischer Grundstücke, soziale Wohnraumförderung, Kontrolle von Zweckentfremdung – hier hat die Stadt Spielraum. Auch durch Kooperationen mit Wohnungsbaugenossenschaften kann bezahlbarer Wohnraum entstehen. München hat 17 aktive Genossenschaften mit zusammen etwa 55.000 Wohnungen.
Genossenschaften funktionieren nach dem Prinzip der Selbsthilfe. Mitglieder sind gleichzeitig Mieter und Eigentümer. Die Mieten liegen deutlich unter Marktniveau. Kündigungen wegen Eigenbedarf gibt es nicht. Doch Genossenschaften haben oft lange Wartelisten. Für dringende Fälle sind sie keine Lösung.
Ein Blick über die Stadtgrenzen zeigt: Andere Städte kämpfen mit ähnlichen Problemen. Hamburg, Berlin, Frankfurt, Köln – überall steigen Mieten, sinkt die Verfügbarkeit. Wien gilt als positives Gegenbeispiel. Die österreichische Hauptstadt hat 60 Prozent gemeinnützigen Wohnraum. Das dämpft die Preise erheblich. Die Durchschnittsmiete liegt bei 8,30 Euro pro Quadratmeter.
Münchens Stadtrat diskutierte bereits ein «Wiener Modell» für die bayerische Landeshauptstadt. Doch die Umsetzung würde Jahrzehnte dauern und Milliarden kosten. Der politische Wille dafür ist nicht bei allen Parteien vorhanden. Die CSU lehnt eine so starke staatliche Rolle ab. Sie setzt auf Marktlösungen.
Für Michael Schanze und Tausende andere Münchner kommt Hilfe ohnehin zu spät. Sie müssen jetzt eine Lösung finden. Der Moderator sagt selbst: «Ich hatte ein schönes Leben in München. Aber vielleicht ist es Zeit für ein neues Kapitel.» Diese Resignation schwingt bei vielen Betroffenen mit. Eine Stadt, die sich ihre eigenen Bürger nicht mehr leisten kann, verliert ihre Seele.
Gleichzeitig wächst die Solidarität. Nachbarschaftsinitiativen unterstützen Betroffene. Kirchengemeinden organisieren Rechtsberatung. Stadtteilzentren bieten Räume für Austausch. München zeigt auch in der Krise seinen Zusammenhalt. Doch ohne strukturelle Veränderungen wird das nicht reichen.
Die kommenden Monate werden zeigen, ob Politik und Verwaltung die Kurve kriegen. Der Druck ist enorm. Die nächste Stadtratssitzung zum Thema Wohnen ist für den 25. April angesetzt. Bürgerinitiativen haben angekündigt, mit Hunderten Teilnehmern zu demonstrieren. Sie fordern konkrete Maßnahmen, keine leeren Versprechungen mehr.
Für Mieter, die aktuell von Kündigung bedroht sind, zählt jeder Tag. Informationen gibt es beim Münchner Mieterbund unter der Hotline 089 557899-0. Die städtische Wohnungsberatung ist telefonisch unter 089 233-96363 erreichbar. Beratungstermine sollten frühzeitig vereinbart werden. Auch Online-Ressourcen wie das Portal «Mieterengel» bieten erste Orientierung.
Michael Schanzes Fall wird weitergehen. Ob er in München bleiben kann, ist offen. Sein Schicksal steht symbolisch für eine Stadt im Wandel. Eine Stadt, die entscheiden muss: Will sie lebenswert bleiben für alle? Oder wird sie zur exklusiven Enklave für Wohlhabende? Die Antwort auf diese Frage wird die Zukunft Münchens prägen.