Eine gute Nachricht für viele Arbeitnehmer in Köln: Der gesetzliche Mindestlohn wird im kommenden Jahr schrittweise erhöht. Ab Januar 2024 steigt er zunächst auf 12,41 Euro pro Stunde und klettert dann im Januar 2025 weiter auf 12,82 Euro. Die deutlichste Erhöhung folgt jedoch im Juli 2025, wenn der Mindestlohn auf 13,90 Euro angehoben wird. Dies entspricht einem Gesamtanstieg von 15 Prozent über diesen Zeitraum.
Besonders relevant ist diese Entwicklung für die rund 92.000 Mini-Jobber in Köln, die oft zum Mindestlohn arbeiten. Für sie bedeutet die Erhöhung mehr Geld im Portemonnaie – oder weniger Arbeitsstunden bei gleichem Verdienst.
Was bedeutet das konkret für Mini-Jobber?
Mini-Jobs sind bei vielen Kölnern beliebt, sei es als Haupteinnahmequelle oder als Nebenjob. Doch mit dem steigenden Mindestlohn müssen Mini-Jobber auf ihre monatliche Arbeitszeit achten, da die Verdienstgrenze von 538 Euro bestehen bleibt.
«Wer bisher zum Mindestlohn von 12 Euro etwa 44 Stunden im Monat gearbeitet hat und damit knapp unter der Mini-Job-Grenze blieb, muss seine Stunden reduzieren», erklärt Martin Weber von der Verbraucherzentrale Köln. «Bei einem Stundenlohn von 13,90 Euro wären das nur noch etwa 38 Stunden monatlich.»
Für Studenten wie Lisa Müller, die neben dem Studium in einer Kölner Bäckerei arbeitet, bringt der höhere Mindestlohn gemischte Gefühle: «Einerseits freue ich mich über mehr Geld pro Stunde, andererseits muss ich mit meinem Chef über weniger Arbeitsstunden verhandeln, um im Mini-Job-Rahmen zu bleiben.»
Auswirkungen auf Kölner Wirtschaft
Die Erhöhung wird auch für viele Kölner Betriebe spürbar sein. Besonders in der Gastronomie, im Einzelhandel und bei Lieferdiensten, wo viele Beschäftigte zum Mindestlohn arbeiten, steigen die Personalkosten.
Karsten Schmidt vom Kölner Gastronomie-Verband sieht Herausforderungen auf die Branche zukommen: «Viele Cafés und Restaurants kämpfen noch mit den Nachwirkungen der Pandemie und den gestiegenen Energiekosten. Der höhere Mindestlohn erhöht den Druck zusätzlich.»
Einige Betriebe erwägen bereits Preiserhöhungen. Das «Café am Dom» hat angekündigt, die Preise für Kaffee und Kuchen ab Januar leicht anzuheben. «Wir zahlen unseren Mitarbeitern gerne mehr, aber irgendwo müssen wir die Kosten wieder reinholen», erklärt Inhaberin Petra Hoffmann.
Chancen und Risiken für den Arbeitsmarkt
Wirtschaftsexperten diskutieren kontrovers über die langfristigen Folgen der Mindestlohnerhöhung. Während Befürworter auf mehr Kaufkraft und bessere Lebensbedingungen für Geringverdiener hinweisen, warnen Kritiker vor möglichen Jobverlusten.
Dr. Thomas Klein, Arbeitsmarktforscher an der Universität Köln, gibt zu bedenken: «In einer Stadt mit hohen Lebenshaltungskosten wie Köln ist ein höherer Mindestlohn grundsätzlich zu begrüßen. Allerdings könnte es in manchen Branchen zu einer Beschleunigung der Automatisierung führen.»
Die Stadtökonomin Prof. Julia Wagner sieht auch positive Aspekte: «Höhere Löhne können die Motivation steigern und die Fluktuation senken. Das spart Unternehmen letztlich Kosten für Neueinstellungen und Einarbeitungen.»
Was Arbeitnehmer und Arbeitgeber jetzt wissen müssen
Für Mini-Jobber ist es wichtig, das Gespräch mit ihrem Arbeitgeber zu suchen und rechtzeitig die Arbeitszeiten anzupassen. Die Kölner Arbeitsagentur empfiehlt, die monatlichen Verdienste genau im Blick zu behalten, um nicht unbeabsichtigt die Mini-Job-Grenze zu überschreiten.
Arbeitgeber müssen ihre Personalpläne und Budgets für das kommende Jahr entsprechend anpassen. Die Industrie- und Handelskammer Köln bietet Informationsveranstaltungen an, um kleine und mittlere Unternehmen bei der Umstellung zu unterstützen.
Für beide Seiten gilt: Die schrittweise Erhöhung gibt Zeit zur Anpassung. Der nächste Sprung auf 13,90 Euro im Juli 2025 sollte frühzeitig in die Planungen einbezogen werden.
Die Erhöhung des Mindestlohns ist Teil eines größeren Bildes der Arbeitsmarktentwicklung in Köln. In einer Stadt, die zu den teuersten in Deutschland zählt, kann sie dazu beitragen, die Schere zwischen Arm und Reich etwas zu verringern. Gleichzeitig stellt sie Betriebe vor neue Herausforderungen in einem ohnehin anspruchsvollen wirtschaftlichen Umfeld.
Für die vielen tausend Kölner, die zum Mindestlohn arbeiten, bedeutet die Erhöhung jedoch vor allem eines: mehr Wertschätzung für ihre Arbeit und etwas mehr finanziellen Spielraum im Alltag.