Nach über vier Jahrzehnten verabschiedet sich der Christopher Street Day (CSD) in München vom traditionellen Veranstaltungsort Marienplatz. Die Entscheidung markiert einen Wendepunkt in der Geschichte des wichtigen LGBTIQ*-Events. In Zukunft wird die Politparade auf dem Wittelsbacherplatz enden, was zahlreiche Veränderungen mit sich bringt.
Die Organisatoren nennen mehrere Gründe für diesen Umzug. «Der Marienplatz ist einfach zu eng geworden», erklärt Thomas Niederbühl, Stadtrat und langjähriger Mitorganisator des CSD. «In den letzten Jahren hat die Teilnehmerzahl stark zugenommen. 2023 zählten wir über 140.000 Menschen bei der Parade – das sprengt die Kapazitäten des Platzes.»
Sicherheitsbedenken spielten ebenfalls eine zentrale Rolle. Die schmalen Zugänge zum Marienplatz stellten bei hohem Besucherandrang ein Risiko dar. «Im Notfall wäre eine schnelle Evakuierung kaum möglich gewesen», so Niederbühl. Zudem haben sich Anwohner in den letzten Jahren vermehrt über die Lautstärke beschwert.
Der Wittelsbacherplatz bietet deutlich mehr Raum für Teilnehmer und Besucher. «Wir können dort eine größere Bühne aufbauen und haben bessere Möglichkeiten für Catering und sanitäre Anlagen», sagt Alexander Kluge vom CSD-Organisationsteam. Auch die An- und Abreise soll einfacher werden, da der Platz mehr Zugangsmöglichkeiten bietet.
Die Parade selbst bleibt weitgehend unverändert. Sie beginnt wie gewohnt am Mariahilfplatz, führt durch die Innenstadt, allerdings nun mit dem Ziel Wittelsbacherplatz statt Marienplatz. Dort wird eine große Abschlusskundgebung mit Musik und Reden stattfinden.
Nicht alle sind glücklich mit dem Umzug. «Der Marienplatz hat eine starke symbolische Bedeutung», meint Lisa Weber, die seit 15 Jahren an der Parade teilnimmt. «Er steht im Herzen der Stadt und macht uns sichtbar. Der Wittelsbacherplatz liegt etwas abseits.»
Die Veranstalter verstehen diese Bedenken. «Der Marienplatz war jahrzehntelang unser Zuhause», sagt Niederbühl. «Aber wir glauben, dass wir auf dem Wittelsbacherplatz ein noch besseres Event für alle schaffen können. Sicherheit muss vorgehen.»
Auch Oberbürgermeister Dieter Reiter unterstützt die Entscheidung: «Der CSD ist ein fester Bestandteil unserer Stadtkultur. Mit dem Umzug zum Wittelsbacherplatz bekommt er den Raum, den er für sein weiteres Wachstum braucht.»
Das Rahmenprogramm wird ebenfalls erweitert. Neben der Hauptveranstaltung soll es mehr dezentrale Events in verschiedenen Stadtteilen geben, um die Sichtbarkeit der LGBTIQ*-Community in ganz München zu stärken.
Der CSD München findet dieses Jahr vom 15. bis 30. Juni statt. Die zentrale Politparade zieht am 29. Juni durch die Stadt – erstmals mit dem neuen Ziel Wittelsbacherplatz. Die Veranstalter rechnen mit bis zu 150.000 Teilnehmenden und hoffen, dass die neue Location gut angenommen wird.
Trotz aller Veränderungen bleibt das Hauptziel des CSD unverändert: ein buntes Zeichen für Vielfalt, Akzeptanz und gleiche Rechte zu setzen. «Wir möchten, dass München eine Stadt für alle ist», betont Niederbühl. «Dafür gehen wir auf die Straße – egal ob der Zielort Marienplatz oder Wittelsbacherplatz heißt.»