Die Münchner können sich auf eine grünere und lebensfreundlichere Stadt freuen. Das Referat für Stadtplanung und Bauordnung hat gestern ambitionierte Pläne für die Stadtentwicklung bis 2026 vorgestellt. Im Mittelpunkt stehen ein neuer Badesee in Neuhausen-Nymphenburg und die Umgestaltung mehrerer Stadtgebiete.
«München wächst und verändert sich. Mit unseren Plänen reagieren wir auf die Bedürfnisse unserer Bürger nach mehr Lebensqualität, bezahlbarem Wohnraum und nachhaltiger Stadtentwicklung«, erklärte Stadtbaurätin Prof. Elisabeth Merk bei der Vorstellung des Konzepts im Rathaus.
Neuer Badesee statt ungenutzter Fläche
Besonders spannend ist die Planung eines neuen Badesees im Bereich der sogenannten Erdbeerwiese nahe dem Westfriedhof. Das etwa fünf Hektar große Areal liegt seit Jahren brach. «Wir schaffen hier eine städtische Oase, die besonders an heißen Sommertagen für Abkühlung sorgen wird», so Merk.
Der See soll naturnah gestaltet werden, mit Liegewiesen, Sandstrand und einem kleinen Café. Die Stadt rechnet mit Kosten von etwa 12 Millionen Euro. Die Bauarbeiten sollen im Frühjahr 2025 beginnen.
Anwohner wie Maria Huber (64) sind begeistert: «Endlich passiert hier etwas. Gerade für Familien mit Kindern, aber auch für uns Ältere wird das eine tolle Bereicherung sein. Zum Schwimmen musste ich bisher immer zum Langwieder See fahren.»
Neue Wohnungen am Candidplatz
Am Candidplatz plant die Stadt ein neues Wohnquartier mit rund 600 Wohnungen. Auf dem Gelände der ehemaligen Großmarkthalle sollen mehrere Wohnblöcke entstehen. Die Stadt hat festgelegt, dass 40 Prozent der Wohnungen als geförderter Wohnraum zur Verfügung stehen müssen.
«Wir haben einen kritischen Mangel an bezahlbarem Wohnraum in München. Mit diesem Projekt setzen wir ein klares Zeichen für soziale Gerechtigkeit in der Wohnungsbaupolitik», betonte Oberbürgermeister Dieter Reiter.
Neben den Wohnungen sind eine Kita, Gemeinschaftsgärten und kleine Ladenflächen für lokale Geschäfte geplant. Eine zentrale Fußgängerzone soll das Viertel durchziehen und für ein lebendiges Miteinander sorgen.
Mehr Grün und weniger Verkehr
Die Stadt investiert außerdem verstärkt in die Begrünung von Straßen und Plätzen. An der Leopoldstraße werden 120 neue Bäume gepflanzt. Der Marienhof bekommt nach Abschluss der S-Bahn-Bauarbeiten mehr Grünflächen und Wasserspiele.
«Die Klimakrise macht auch vor München nicht halt. Mit mehr Bäumen und Grünflächen wollen wir für natürliche Kühlung sorgen», erklärte Umweltreferentin Christine Kugler. Die Stadt plant, bis 2026 insgesamt 5000 neue Bäume zu pflanzen.
Auch die Verkehrswende wird vorangetrieben. Die Anzahl der Radwege soll um 40 Kilometer erweitert werden. In der Innenstadt entstehen weitere verkehrsberuhigte Bereiche, unter anderem in Teilen der Sonnenstraße und am Viktualienmarkt.
Bürgerbeteiligung erwünscht
Die Stadtplanung setzt bei allen Projekten auf aktive Bürgerbeteiligung. Für den Badesee und das Wohnquartier am Candidplatz werden in den kommenden Wochen Informationsveranstaltungen angeboten.
«Wir wollen die Münchnerinnen und Münchner mitnehmen», betonte Merk. «Gute Stadtplanung entsteht im Dialog mit den Menschen, die in dieser Stadt leben und arbeiten.»
Ab nächster Woche können Bürger ihre Ideen und Anregungen auf der Online-Plattform «München mitgestalten» einbringen. Zudem sind Bürgerwerkstätten in den betroffenen Stadtvierteln geplant.
Finanzierung und Zeitplan
Für die gesamten Stadtentwicklungsmaßnahmen hat der Stadtrat ein Budget von 450 Millionen Euro bewilligt. Die Finanzierung erfolgt über den städtischen Haushalt, Fördermittel des Freistaats Bayern und private Investoren bei den Wohnbauprojekten.
Der Zeitplan sieht vor, dass die ersten Bauarbeiten für den Badesee im Frühjahr 2025 beginnen. Die Wohnungen am Candidplatz sollen bis Ende 2026 bezugsfertig sein. Die Begrünungsprojekte werden bereits diesen Herbst starten.
«München steht vor großen Herausforderungen – Wohnungsmangel, Klimawandel und Verkehrsprobleme. Mit unseren Plänen gehen wir diese Probleme aktiv an und gestalten eine lebenswerte Stadt für alle», fasste Oberbürgermeister Reiter zusammen.
Die Münchner können sich also auf einige positive Veränderungen freuen. Besonders der neue Badesee dürfte an heißen Sommertagen ein beliebtes Ziel werden. Die Stadt will die Bauarbeiten so organisieren, dass die Belastungen für die Anwohner möglichst gering bleiben.