Eine Welle von Streiks wird München in der kommenden Woche erfassen. Als Lokalredakteurin habe ich die Informationen zusammengetragen, damit Sie wissen, wo mit Einschränkungen zu rechnen ist. Die Gewerkschaft Verdi ruft zu umfangreichen Arbeitsniederlegungen in verschiedenen Bereichen des öffentlichen Dienstes auf. Dies wird erhebliche Auswirkungen auf den Alltag vieler Münchnerinnen und Münchner haben.
Öffentlicher Nahverkehr stark betroffen
Am härtesten trifft es den öffentlichen Nahverkehr. Die Münchner Verkehrsgesellschaft (MVG) wird von Mittwoch bis Freitag bestreikt. Nach Informationen der MVG müssen Fahrgäste mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Besonders U-Bahn und Tram werden stark betroffen sein. Bei den Bussen ist mit einem eingeschränkten Notbetrieb zu rechnen.
«Wir empfehlen allen Fahrgästen, sich rechtzeitig über Alternativen zu informieren und wenn möglich auf andere Verkehrsmittel umzusteigen», erklärt ein MVG-Sprecher. Die S-Bahn München wird nicht bestreikt, da sie zur Deutschen Bahn gehört und nicht zum kommunalen Nahverkehr.
Kliniken und Gesundheitsversorgung
Auch im Gesundheitssektor wird gestreikt. Das Klinikum rechts der Isar sowie mehrere städtische Kliniken haben Streikmaßnahmen angekündigt. Notfallversorgung und wichtige Behandlungen sollen aber gewährleistet bleiben.
«Wir haben Notdienstvereinbarungen getroffen, damit kein Patient zu Schaden kommt», versichert Michael Leonbacher, Verdi-Gewerkschaftssekretär für den Gesundheitsbereich. Dennoch müssen Patienten mit längeren Wartezeiten und verschobenen nicht-dringlichen Terminen rechnen.
Hochschulen und Bildungseinrichtungen
An mehreren Münchner Hochschulen wird das technische und Verwaltungspersonal die Arbeit niederlegen. Die Technische Universität München und die Ludwig-Maximilians-Universität sind betroffen.
«Es geht uns um faire Löhne und bessere Arbeitsbedingungen für alle Beschäftigten im öffentlichen Dienst», betont Christine Sturm, eine Verdi-Vertreterin. Vorlesungen werden größtenteils stattfinden, aber mit Einschränkungen bei Serviceleistungen muss gerechnet werden.
Kultureinrichtungen müssen schließen
Mehrere städtische Kultureinrichtungen werden ihre Pforten schließen müssen. Das Deutsche Museum hat bereits angekündigt, an mindestens einem Tag geschlossen zu bleiben. Auch die Münchner Stadtbibliothek und mehrere kleinere Museen werden vom Streik betroffen sein.
«Wir bitten um Verständnis für diese Maßnahmen. Unsere Beschäftigten setzen sich für eine angemessene Bezahlung ein», erklärt der Betriebsratsvorsitzende eines großen Museums.
Auswirkungen auf Verwaltung und Behörden
In verschiedenen städtischen Ämtern und Behörden wird ebenfalls gestreikt. Bürgerinnen und Bürger müssen mit längeren Wartezeiten und teilweise geschlossenen Schaltern rechnen. Das Kreisverwaltungsreferat hat bereits mitgeteilt, dass einige Termine verschoben werden müssen.
Die Müllabfuhr wird ebenfalls von den Streikmaßnahmen betroffen sein. In einigen Stadtteilen kann es zu Verzögerungen bei der Abholung kommen.
Hintergründe des Streiks
Die Streiks finden im Rahmen der Tarifverhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder statt. Die Gewerkschaften fordern 10,5 Prozent mehr Gehalt, mindestens aber 500 Euro mehr im Monat. Zudem wird eine deutliche Erhöhung der Ausbildungsvergütungen gefordert.
«Die Beschäftigten im öffentlichen Dienst leisten jeden Tag wertvolle Arbeit für unsere Gesellschaft. Sie haben eine faire Bezahlung verdient, besonders angesichts der gestiegenen Lebenshaltungskosten», sagt Heinrich Birner, Verdi-Geschäftsführer in München.
Die Arbeitgeber haben bislang ein Angebot von drei Prozent mehr Gehalt ab Oktober 2024 und weitere zwei Prozent ab August 2025 vorgelegt. Dies sei laut Verdi völlig unzureichend.
Was können Bürgerinnen und Bürger tun?
Als Münchnerinnen und Münchner sollten Sie sich auf Einschränkungen einstellen und alternative Pläne schmieden:
- Planen Sie mehr Zeit für Ihren Arbeitsweg ein, besonders wenn Sie auf den öffentlichen Nahverkehr angewiesen sind
- Prüfen Sie die Möglichkeit von Homeoffice an den betroffenen Tagen
- Verschieben Sie nicht dringende Behördengänge
- Informieren Sie sich über aktuelle Entwicklungen auf den Webseiten der betroffenen Einrichtungen
- Bilden Sie wenn möglich Fahrgemeinschaften
Die Streikmaßnahmen spiegeln die zunehmende Unzufriedenheit der Beschäftigten wider. Viele fühlen sich angesichts steigender Lebenshaltungskosten und wachsender Arbeitsbelastung unterbezahlt und nicht ausreichend wertgeschätzt.
«Wir verstehen, dass die Streiks für viele Bürgerinnen und Bürger unbequem sind», räumt Verdi-Vertreter Birner ein. «Aber nur durch diesen Druck können wir erreichen, dass die Arbeitgeber ein vernünftiges Angebot vorlegen.»
Die nächste Verhandlungsrunde ist für Anfang Mai angesetzt. Bis dahin müssen sich die Münchnerinnen und Münchner auf weitere mögliche Einschränkungen einstellen. Die Gewerkschaft hat bereits angekündigt, den Druck aufrechtzuerhalten, sollte es keine Bewegung von Seiten der Arbeitgeber geben.