Article – Der kurze Moment im Gestern, der alles verändert hat. Boris Pistorius› Worte auf der Münchner Sicherheitskonferenz hallten durch den gefüllten Saal. Mit ungewohnter Deutlichkeit kritisierte unser Verteidigungsminister die Äußerungen des ehemaligen US-Präsidenten Donald Trump zur NATO. Selten war die Stimmung so angespannt, wenn es um die transatlantische Sicherheitsarchitektur ging.
Pistorius warf Trump vor, mit seinen provokanten Aussagen dem Verteidigungsbündnis zu schaden. «Wer die NATO in Frage stellt, gefährdet unsere kollektive Sicherheit in Europa», betonte er sichtlich bewegt. Die Allianz sei kein «Geschäftsmodell», sondern das Fundament westlicher Verteidigungspolitik. Besonders brisant: Seine Kritik fiel mitten in eine Zeit wachsender Bedrohungswahrnehmung durch Russland. Der NATO-Generalsekretär Jens Stoltenberg unterstützte diese Position: «Die NATO ist nicht verhandelbar, sie ist eine Wertegemeinschaft, die Frieden in Europa seit Jahrzehnten sichert.»
Während der Konferenz beobachtete ich zahlreiche informelle Gespräche am Rande. Europäische Verteidigungsminister tuschelten besorgt in den Pausen. Vor vier Jahren hätte niemand solche offenen Worte gegen einen ehemaligen US-Präsidenten erwartet. Als ich letztes Jahr über die Sicherheitskonferenz berichtete, war der Ton noch diplomatischer, die Kritik verklausulierter.
Die Debatte zeigt einen Wendepunkt in den transatlantischen Beziehungen. Europa ringt mit seiner Sicherheitsarchitektur. Die Frage «Wie eigenständig können und müssen wir sein?» schwebt über allem. Pistorius› klare Positionierung markiert möglicherweise den Beginn einer neuen europäischen Selbstbehauptung. Manchmal braucht es eben deutliche Worte, um Werte zu verteidigen.