In der Nacht zum Mittwoch hat ein Feuer das beliebte Museumsschiff «Mare Frisium» im Hamburger Hafen stark beschädigt. Der Brand brach gegen 2:30 Uhr auf dem über 100 Jahre alten historischen Segelschiff aus, das am Anleger Neumühlen in Övelgönne festgemacht hatte.
Die Hamburger Feuerwehr rückte mit einem Großaufgebot an. Mehr als 60 Einsatzkräfte kämpften stundenlang gegen die Flammen. Besonders schwierig gestaltete sich die Brandbekämpfung durch die engen Räume unter Deck und die holzvertäfelten Strukturen des Schiffes, die dem Feuer reichlich Nahrung boten.
«Die Löscharbeiten waren extrem herausfordernd«, berichtet Feuerwehrsprecher Martin Schmidt. «Unsere Trupps mussten mit Atemschutzgeräten in die verwinkelten, rauchgefüllten Kabinen vordringen. Die historische Bauweise mit viel Holz machte den Einsatz besonders schwierig.»
Glücklicherweise befanden sich zum Zeitpunkt des Brandes keine Menschen an Bord. Die Besatzung hatte das Schiff bereits am Vorabend verlassen. Anwohner in Övelgönne alarmierten die Feuerwehr, nachdem sie Rauch und Flammen bemerkt hatten.
Die «Mare Frisium», ein früherer Frachtsegler aus dem Jahr 1916, gehört zu den markantesten historischen Schiffen im Hamburger Hafen. In den letzten Jahren wurde das 38 Meter lange Schiff für Hafenrundfahrten, private Feiern und als schwimmendes Museum genutzt. Tausende Hamburger und Touristen besichtigten jährlich das maritime Kulturgut.
Der Schaden ist erheblich. Nach ersten Schätzungen sind große Teile des Innenraums zerstört, darunter wertvolle historische Einrichtungsgegenstände und Ausstellungsstücke. Der Gesamtschaden könnte laut Polizei im hohen sechsstelligen Bereich liegen.
«Es ist ein schwarzer Tag für die maritime Geschichte Hamburgs», sagt Karsten Weber vom Verein Hamburger Hafenkultur. «Die ‹Mare Frisium› ist nicht nur ein Schiff, sondern ein lebendiges Stück Seefahrtstradition. Wir stehen unter Schock.»
Die Brandursache ist noch unklar. Brandermittler haben ihre Arbeit aufgenommen, sobald die Nachlöscharbeiten abgeschlossen waren. Die Polizei schließt weder technische Defekte noch Brandstiftung aus.
Obwohl die Feuerwehr ein Sinken des Schiffes verhindern konnte, bleibt die Zukunft der «Mare Frisium» ungewiss. Experten müssen nun begutachten, ob eine Restaurierung möglich und wirtschaftlich sinnvoll ist.
Der Museumshafen Övelgönne hat bereits Unterstützung signalisiert. «Wir werden alles tun, um dieses wertvolle Zeugnis der Seefahrtsgeschichte zu retten», erklärt Museumsleiterin Franziska Brandt. «Die Hamburger identifizieren sich mit ihren historischen Schiffen. Wir hoffen auf breite Unterstützung.»
Für viele Anwohner und Hafenliebhaber ist der Brand ein emotionaler Verlust. «Ich bin seit über 20 Jahren regelmäßiger Besucher auf der ‹Mare Frisium'», erzählt der 72-jährige Peter Lehmann aus Othmarschen. «Es bricht mir das Herz, das Schiff so zu sehen. Ich hoffe sehr, dass es gerettet werden kann.»
Die Hafenbehörde hat den Bereich um den Anleger vorübergehend gesperrt. Experten untersuchen, ob durch das Löschwasser Umweltschäden entstanden sind.