In der Innenstadt Hamburgs zieht ein junger Mann mit seiner Kamera die Blicke auf sich. Nico Gutjahr, 28 Jahre alt, spricht Passanten an und fragt sie nach ihren Lieblingsorten in der Hansestadt. Was die Menschen nicht wissen: Sie werden Teil eines besonderen Projekts.
«Hamburg hat mir so viel gegeben. Jetzt möchte ich etwas zurückgeben», erklärt Nico mit einem Lächeln. Seit drei Monaten führt er sein Herzensprojekt «Nico sagt Danke» durch. Die Idee dahinter ist einfach und berührend zugleich: Er fotografiert Menschen an ihren Lieblingsorten und teilt diese Bilder in den sozialen Medien.
Was als kleine persönliche Initiative begann, hat mittlerweile eine beachtliche Reichweite erreicht. Über 5.000 Menschen folgen Nicos Projekt online. «Ich wollte eigentlich nur zeigen, wie schön Hamburg ist – durch die Augen seiner Bewohner», sagt Nico. «Dass so viele Menschen mitmachen würden, hätte ich nie gedacht.»
Die Vielfalt der ausgewählten Orte spiegelt die Seele Hamburgs wider: Von der Außenalster über versteckte Cafés in Ottensen bis hin zum Stadtpark in Winterhude. «Jeder hat seinen eigenen Hamburg-Moment», beobachtet Nico. «Für manche ist es der Sonnenuntergang am Elbstrand, für andere eine kleine Parkbank im Schanzenpark.»
Beate Müller, eine 67-jährige Rentnerin aus Barmbek, führte Nico zu einer unscheinbaren Bank am Goldbekkanal. «Hier habe ich meinen Mann kennengelernt, vor 45 Jahren», erzählt sie mit glänzenden Augen. «Das ist mein besonderer Ort. Ich komme jede Woche hierher.»
Das Projekt schafft nicht nur schöne Bilder, sondern auch Begegnungen zwischen Menschen, die sich sonst nie getroffen hätten. «Manchmal bleibe ich stundenlang mit den Leuten im Gespräch», berichtet Nico. «Da entstehen Verbindungen, die weit über das Foto hinausgehen.»
Die Stadtverwaltung ist auf Nicos Initiative aufmerksam geworden. Nächsten Monat werden ausgewählte Bilder im Rathaus ausgestellt. «Dieses Projekt zeigt Hamburg von seiner menschlichsten Seite», lobt Kulturbehörden-Sprecherin Martina Weber. «Es fängt den wahren Geist unserer Stadt ein.»
Nico selbst bleibt bescheiden. Auf die Frage nach seinem eigenen Lieblingsort lacht er: «Das ändert sich ständig. Mit jedem Menschen, den ich fotografiere, entdecke ich ein neues Hamburg.»
Das Projekt soll weitergehen. Nico plant, die Geschichten in einem Fotobuch zu sammeln. «Ich möchte, dass diese persönlichen Hamburg-Momente festgehalten werden», erklärt er. «Es geht um mehr als schöne Orte – es geht um die Geschichten dahinter.»
Wer Nico begegnet, wird schnell von seiner Begeisterung angesteckt. Er fotografiert nicht nur, er hört zu. Vielleicht ist genau das das Geheimnis seines Erfolgs: In einer oft hektischen Großstadt nimmt sich jemand Zeit für die persönlichen Geschichten der Menschen.
«Nico sagt Danke» ist mehr als ein Fotoprojekt geworden – es ist eine Liebeserklärung an Hamburg und seine Bewohner. Wer Nico in der Stadt trifft, darf sich auf ein warmherziges Gespräch und ein besonderes Foto freuen. Und wer weiß – vielleicht entdeckt man durch ihn sogar seinen eigenen Lieblingsort neu.