Der U-Bahnhof Nollendorfplatz im Herzen Berlins wurde heute Vormittag gesperrt, nachdem technische Störungen zu massiven Einschränkungen im Nahverkehr führten. Hunderte Pendler standen vor verschlossenen Eingängen, während sich an umliegenden Stationen die Bahnsteige füllten.
Die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) erklärten gegen 9:30 Uhr, dass ein defekter Zug der Linie U4 den gesamten Betrieb am wichtigen Knotenpunkt zum Erliegen brachte. Der Bahnhof, an dem vier U-Bahnlinien zusammentreffen, musste vollständig gesperrt werden.
«Es war das reinste Chaos», berichtet Anwohnerin Silvia Meier, die täglich über den Nollendorfplatz zur Arbeit pendelt. «Erst fuhr kein Zug mehr ein, dann wurden wir alle nach oben geschickt. Draußen standen bereits Dutzende verwirrte Menschen.»
Nach Angaben der BVG waren die Linien U1, U2, U3 und U4 von den Einschränkungen betroffen. Besonders im morgendlichen Berufsverkehr führte dies zu erheblichen Problemen in der gesamten Innenstadt. An den benachbarten Stationen Wittenbergplatz und Gleisdreieck bildeten sich lange Schlangen.
Die BVG richtete einen Ersatzverkehr mit Bussen ein, der jedoch schnell überlastet war. «Die Busse kamen bereits voll an und konnten kaum noch Fahrgäste aufnehmen», schildert Thomas Weber vom Fahrgastverband Berlin-Brandenburg die Situation. «Viele Menschen mussten auf Taxis ausweichen oder zu Fuß gehen.»
Der örtliche Einzelhandel spürte die Auswirkungen der Sperrung sofort. «An normalen Tagen kommen viele Kunden direkt vom U-Bahnhof zu uns ins Geschäft», erklärt Einzelhändlerin Jana Köhler, deren Laden direkt am Nollendorfplatz liegt. «Heute blieben die Kunden weitgehend aus.»
Besonders betroffen waren auch Schüler und Studierende. Die nahegelegenen Bildungseinrichtungen meldeten zahlreiche Verspätungen. «Fast ein Drittel meiner Klasse kam zu spät», berichtet Lehrerin Martina Schmidt von einer Schule in Schöneberg. «Wir mussten den Unterrichtsbeginn um 20 Minuten verschieben.»
Nach Angaben der BVG waren Techniker mehrere Stunden im Einsatz, um den defekten Zug zu bergen und die Strecke wieder freizugeben. Gegen 14 Uhr konnte der Betrieb schrittweise wieder aufgenommen werden, zunächst auf den Linien U1 und U3.
Die vollständige Wiederaufnahme des Regelbetriebs wird jedoch erst für den späten Nachmittag erwartet. Die BVG empfiehlt Fahrgästen, auf alternative Routen auszuweichen und die aktuellen Fahrplaninformationen über die BVG-App oder auf der Website zu verfolgen.
Es ist nicht das erste Mal, dass der Nollendorfplatz von technischen Störungen betroffen ist. Bereits im vergangenen Jahr musste der Bahnhof wegen Sanierungsarbeiten mehrfach teilweise gesperrt werden. Der Fahrgastverband fordert nun eine Überprüfung der technischen Anlagen und eine bessere Notfallplanung.
Die Polizei musste zeitweise den stark frequentierten Platz oberirdisch sperren, da sich dort zu viele Menschen versammelten. «Die Menschenmenge stellte ein Sicherheitsrisiko dar», erklärt Polizeisprecherin Claudia Hoffmann. «Wir mussten eingreifen, um die Situation zu entschärfen.»
Für den Bezirk Tempelhof-Schöneberg bedeutet die Sperrung eine besondere Herausforderung. «Der Nollendorfplatz ist eine zentrale Verkehrsader für unseren Bezirk», betont Bezirksstadtrat Jörn Oltmann. «Solche Störungen treffen uns immer besonders hart.»
Die BVG hat angekündigt, den Vorfall gründlich zu untersuchen und Maßnahmen zu ergreifen, um ähnliche Situationen in Zukunft zu vermeiden. Fahrgäste können sich unter einer eigens eingerichteten Hotline über Entschädigungsmöglichkeiten informieren.