Der wichtige Nord-Süd-Tunnel in Berlin, eine zentrale Verbindung im Bahnnetz der Hauptstadt, ist überlastet. Nach Informationen des rbb müssen Reisende in den kommenden Monaten mit erheblichen Einschränkungen rechnen. Besonders betroffen sind Verbindungen zum Flughafen BER.
Die Deutsche Bahn hat bestätigt, dass der 2006 eröffnete Tunnel zwischen Hauptbahnhof und Südkreuz an seine Kapazitätsgrenze stößt. «Die hohe Auslastung des Tunnels ist ein bekanntes Problem», erklärt Bahnsprecher Burkhard Ahlert. «Wir arbeiten intensiv an Lösungen, um die Situation zu verbessern.»
Besonders zu Stoßzeiten kommt es bereits jetzt zu Verspätungen und Zugausfällen. Die Überlastung hat mehrere Gründe: Zum einen hat der Verkehr seit der Eröffnung des BER deutlich zugenommen. Zum anderen stehen wegen Bauarbeiten weniger Gleise zur Verfügung.
Ein Verkehrsexperte der Technischen Universität Berlin sieht das Problem als strukturell an: «Der Tunnel wurde nicht für das aktuelle Verkehrsaufkommen konzipiert. Die steigenden Fahrgastzahlen und zusätzlichen Verbindungen übersteigen die ursprüngliche Planung.»
Ab dem Fahrplanwechsel im Dezember werden mehrere Regionalzüge umgeleitet. Der RE8, der bisher direkt zum Flughafen BER fuhr, wird künftig eine andere Route nehmen. Fahrgäste müssen dann am Bahnhof Südkreuz umsteigen und die S-Bahn zum Flughafen nutzen.
«Diese Maßnahmen sind notwendig, um den Verkehr im Tunnel zu entlasten und die Pünktlichkeit zu verbessern», betont Verkehrssenatorin Ute Bonde. Die Umleitung sei unvermeidbar, um den Gesamtbetrieb aufrechtzuerhalten.
Für Pendler und Reisende bedeutet dies längere Fahrzeiten und zusätzliche Umstiege. «Ich fahre täglich zur Arbeit durch den Tunnel. Schon jetzt gibt es regelmäßig Verspätungen», berichtet Andrea Müller, Pendlerin aus Potsdam. «Mit den Änderungen muss ich noch früher losfahren.»
Die Berliner Tourismusbranche zeigt sich besorgt. «Eine zuverlässige Anbindung an den Flughafen ist für uns essenziell», sagt Hotelier Martin Weber. «Wenn Touristen umständlich zum BER kommen, schadet das dem Wirtschaftsstandort Berlin.»
Langfristig plant die Bahn einen Ausbau der Kapazitäten im Tunnel. Dies wird jedoch Jahre dauern und hohe Investitionen erfordern. Kurzfristig sollen verbesserte Signaltechnik und optimierte Fahrpläne für Entlastung sorgen.
Der Fahrgastverband Pro Bahn kritisiert die späte Reaktion: «Die Probleme waren vorhersehbar. Man hätte früher gegensteuern müssen», sagt Verbandssprecher Klaus Schmidt. «Nun müssen die Fahrgäste die Folgen tragen.»
Die Verkehrsbetriebe empfehlen Reisenden, sich frühzeitig über Alternativen zu informieren und mehr Zeit für Fahrten einzuplanen. Aktuelle Fahrplanänderungen werden über die DB-App und Aushänge an den Bahnhöfen bekannt gegeben.
Betroffen sind auch viele Berufspendler aus Brandenburg. Der Pendlerverein Berlin-Brandenburg fordert, dass zumindest zu Hauptverkehrszeiten zusätzliche Verbindungen geschaffen werden. «Die Menschen müssen pünktlich zur Arbeit kommen können», betont Vereinsvorsitzende Julia Neumann.