In Berliner Wohngebieten wächst die Sorge vor möglichen längeren Stromausfällen. Während öffentliche Einrichtungen wie Krankenhäuser und Feuerwachen über Notstromaggregate verfügen, stehen viele Wohnungsunternehmen vor erheblichen Herausforderungen bei der Vorbereitung auf solche Szenarien.
«Die Situation ist angespannt», erklärt Thomas Groth, Geschäftsführer der Wohnungsbaugenossenschaft Neukölln. «Bei einem flächendeckenden Stromausfall würden in vielen Wohngebäuden nicht nur Licht und Heizung ausfallen, sondern auch lebenswichtige Infrastruktur wie Aufzüge und Wasserpumpen.»
Die sechs landeseigenen Wohnungsunternehmen Berlins, die zusammen etwa 360.000 Wohnungen verwalten, haben in den vergangenen zwei Jahren verstärkt in Notfallpläne investiert. Dennoch reichen die vorhandenen Notstromaggregate nicht aus, um alle Gebäude gleichzeitig zu versorgen.
Maren Schmidt vom Verband Berlin-Brandenburgischer Wohnungsunternehmen (BBU) nennt die Hauptprobleme: «Hohe Anschaffungskosten, begrenzter Platz für die Installation und strenge Brandschutzauflagen erschweren den Einbau von festen Notstromlösungen in bestehenden Wohngebäuden erheblich.»
Ein weiteres Problem: Die Treibstoffversorgung für mobile Notstromaggregate im Ernstfall. «Bei einem längeren Stromausfall müssten wir Diesel für die Aggregate beschaffen und zu den Standorten transportieren – unter Bedingungen, in denen möglicherweise auch Tankstellen ohne Strom sind», erläutert Frank Schneider von der Degewo, Berlins größtem kommunalem Wohnungsunternehmen.
Der Katastrophenschutz der Hauptstadt empfiehlt Bewohnern deshalb, sich auf einen möglichen mehrtägigen Stromausfall vorzubereiten: Trinkwasservorrat, haltbare Lebensmittel, Taschenlampen mit Batterien und ein batteriebetriebenes Radio sollten in jedem Haushalt vorhanden sein.
Einige Wohnungsgenossenschaften haben innovative Lösungen entwickelt. Die Wohnungsbaugenossenschaft Lichtenberg hat in einem Pilotprojekt ein netzunabhängiges Notstromsystem mit Solarmodulen und Batteriespeichern installiert. «Damit können wir zumindest die Grundversorgung in den Gemeinschaftsbereichen sicherstellen», sagt Vorstandsmitglied Petra Rohland.
Der Berliner Senat arbeitet aktuell an einem stadtweiten Konzept, das Notfallpunkte in jedem Bezirk vorsieht. Diese «Leuchttürme» sollen bei längeren Stromausfällen als Anlaufstellen dienen, wo Bürger Informationen, Wärme und Lademöglichkeiten für Kommunikationsgeräte finden können.
Experten wie der Energieberater Martin Weber betonen jedoch: «Die beste Vorsorgemaßnahme ist es, die Stromversorgung insgesamt widerstandsfähiger zu machen. Dezentrale Energieversorgung, intelligente Netze und mehr Speicherkapazitäten könnten das Risiko großflächiger Ausfälle deutlich reduzieren.»
Bis dahin bleibt für viele Berliner Wohnungsunternehmen nur die schrittweise Verbesserung ihrer Notfallpläne – und das Hoffen, dass der Ernstfall nicht eintritt. Mietervertreter fordern unterdessen mehr Informationen: «Viele Bewohner wissen nicht einmal, wie sie sich bei einem längeren Stromausfall verhalten sollen oder welche Vorkehrungen ihr Wohnungsunternehmen getroffen hat», kritisiert Reiner Wild vom Berliner Mieterverein.
Die Stadt steht vor einer komplexen Aufgabe: Einerseits sollen Mieten bezahlbar bleiben, andererseits werden Investitionen in die Krisenresilienz immer wichtiger. Eine Diskussion, die angesichts geopolitischer Spannungen und zunehmender Extremwetterereignisse an Dringlichkeit gewinnt.