Mit sinkenden Temperaturen startet die Dresdner Initiative «Bett statt Bank» eine neue Plakataktion, um auf die prekäre Situation obdachloser Menschen aufmerksam zu machen. Die großformatigen Plakate sind seit dieser Woche an verschiedenen Stellen im Stadtgebiet zu sehen und fordern Bürgerinnen und Bürger auf, wachsam zu sein und im Notfall zu helfen.
Die Kampagne richtet den Fokus besonders auf die kalte Jahreszeit, in der obdachlose Menschen extremen Risiken ausgesetzt sind. «Bei Minusgraden kann eine Nacht im Freien lebensgefährlich werden», erklärt Thomas Weber, Koordinator der Initiative. «Unsere Plakate sollen die Dresdner daran erinnern, dass ein einfacher Anruf Leben retten kann.»
Die Aktion stellt die städtische Kältenotrufnummer 0351-549 5706 in den Mittelpunkt. Unter dieser Nummer können Bürger melden, wenn sie hilfsbedürftige Personen sehen, die bei Kälte im Freien übernachten. Ein mobiles Team des Sozialamts fährt dann zum angegebenen Ort und bietet Unterstützung an.
«Viele Menschen gehen an Obdachlosen vorbei und wissen nicht, wie sie helfen können», sagt Marion Schmidt vom Dresdner Sozialamt. «Mit der Notrufnummer geben wir allen eine konkrete Handlungsmöglichkeit. Manchmal entscheidet ein rechtzeitiger Anruf über Leben und Tod.»
Die Plakataktion wird von einem breiten Bündnis aus sozialen Einrichtungen, der Stadtverwaltung und lokalen Unternehmen unterstützt. Neben der Sensibilisierung der Öffentlichkeit sammelt die Initiative auch Spenden für Notunterkünfte, Schlafsäcke und warme Mahlzeiten.
Besonders alarmierend ist die steigende Zahl obdachloser Menschen in Dresden. Nach Angaben des Sozialamts wurden im vergangenen Winter rund 350 Personen ohne festen Wohnsitz registriert – etwa 15 Prozent mehr als im Vorjahr. Die Dunkelziffer liegt vermutlich deutlich höher.
Die städtischen Notunterkünfte bieten insgesamt 120 Schlafplätze, die bei extremer Kälte auf 150 erweitert werden können. «In Härtefällen finden wir immer eine Lösung», versichert Schmidt. «Niemand muss in Dresden bei Frost draußen schlafen.»
Die «Bett statt Bank»-Kampagne geht über die reine Kältehilfe hinaus. In Zusammenarbeit mit dem Gesundheitsamt bietet die Initiative auch medizinische Grundversorgung für Menschen ohne Krankenversicherung an. Mobile Teams mit Ärzten und Sozialarbeitern suchen regelmäßig bekannte Treffpunkte auf, um Hilfe direkt vor Ort anzubieten.
Freiwillige Helfer sind ein wichtiger Teil des Projekts. «Wir haben ein Netzwerk von etwa 80 Ehrenamtlichen, die bei der Essensausgabe helfen, Kleidung sortieren oder einfach nur zuhören», berichtet Weber. «Neue Unterstützer sind immer willkommen.»
In Stadtteilen wie der Neustadt und rund um den Hauptbahnhof sind die Plakate besonders präsent. Die Kampagne läuft bis Ende März und wird durch gezielte Aktionen in sozialen Medien ergänzt, um auch jüngere Dresdner zu erreichen.
Für den kommenden Samstag plant die Initiative eine Benefizveranstaltung im Kulturzentrum Scheune. Der Erlös fließt direkt in die Anschaffung winterfester Schlafsäcke und warmer Kleidung.
Oberbürgermeister Dirk Hilbert unterstützt die Kampagne und betont: «Dresden ist eine solidarische Stadt. Gemeinsam können wir dafür sorgen, dass niemand im Winter draußen frieren muss. Ein Anruf kostet nichts, kann aber alles bedeuten.»