Die Morgendämmerung in Leithe lag wie ein grauer Schleier über den Straßen, als die Polizeisirenen die Stille durchbrachen. Was als Routineeinsatz begann, endete gestern mit einem Schuss und einem verletzten 28-Jährigen. Ich stand mit dampfendem Kaffee am Fenster meiner Redaktion und beobachtete, wie die Absperrungen errichtet wurden. Die Nachbarschaft erwachte unter dem irritierenden Blaulicht – ein ungewöhnlicher Anblick in unserem sonst so beschaulichen Stadtteil.
Die Polizei war ursprünglich wegen eines gemeldeten Hausfriedensbruchs angerückt. Der junge Mann soll bei der Festnahme Widerstand geleistet haben, wobei ein Beamter seine Dienstwaffe einsetzte. «Die genauen Umstände der Schussabgabe werden derzeit intensiv untersucht», erklärte Polizeisprecher Michael Dörner am Einsatzort. Die Verletzungen des Mannes sind nach ersten Angaben nicht lebensbedrohlich.
Anwohnerin Gisela Bergmann (67) stand kopfschüttelnd am Absperrband. «Sowas haben wir hier noch nie erlebt», sagte sie mir mit besorgter Miene. Vor drei Jahren hatte ich selbst über einen ähnlichen Vorfall in Wattenscheid berichtet, doch die Betroffenheit ist jedes Mal aufs Neue spürbar. Die Ermittlungen wurden routinemäßig an eine unabhängige Dienststelle übergeben, um Neutralität zu gewährleisten.
Der Vorfall wirft ein Schlaglicht auf die zunehmenden Diskussionen um Polizeieinsätze in Wohngebieten. Während die einen mehr Sicherheit fordern, sehen andere die Verhältnismäßigkeit kritisch in Frage gestellt. Als die Sonne höher stieg, normalisierte sich das Leben in Leithe langsam wieder – und doch bleibt ein Nachgeschmack von Unsicherheit zurück, der uns alle betrifft.