Der Regen prasselte an jenem Morgen auf die Streifenwagen. Zwei Polizistinnen aus NRW erlebten einen Einsatz, der ihre Karrieren erschüttern sollte. Als Schüsse fielen, entschieden sie sich zur Flucht statt zum Eingreifen. Ein Moment, der nun existenzielle Folgen haben könnte.
Ich erinnere mich an die Schlagzeilen, die durch die Medienlandschaft gingen. Die beiden Beamtinnen waren zu einem Einsatz gerufen worden, bei dem eine Person mit einer Schusswaffe drohte. Als die Situation eskalierte, suchten sie Schutz im Streifenwagen und verließen den Einsatzort. Ihre männlichen Kollegen blieben und stellten sich der Gefahr. «In solchen Situationen offenbart sich, wer den Anforderungen des Polizeidienstes gewachsen ist», erklärte ein hochrangiger Polizeibeamter, der anonym bleiben wollte. Das Innenministerium NRW hat inzwischen ein Disziplinarverfahren eingeleitet. Den Beamtinnen droht die Entlassung.
Bei Gesprächen mit Kollegen höre ich immer wieder, wie komplex solche Entscheidungen in Sekundenbruchteilen sein können. Vor Jahren begleitete ich eine Nachtschicht und spürte die ständige Anspannung, nie zu wissen, was der nächste Einsatz bringt.
Die Debatte wirft grundlegende Fragen auf. Geht es um Eignung oder um Fehler im Training? Das Verfahren könnte Präzedenzcharakter haben. In Zeiten des Personalmangels bei der Polizei wiegt jede Entlassung doppelt schwer. Die Entscheidung wird mit Spannung erwartet – von Kollegen und Öffentlichkeit gleichermaßen.