Die Trennung zwischen Politik und Religion bekommt Risse. Ich beobachte dies immer häufiger in unserem Alltag. Dr. Thorsten Latzel, Präses der Evangelischen Kirche im Rheinland, schlägt jetzt Alarm. Er warnt eindringlich vor einer gefährlichen Vermischung beider Sphären.
«Religion wird zunehmend politisch instrumentalisiert, besonders von populistischen Bewegungen», erklärte Latzel bei einer Diskussionsveranstaltung in Koblenz. Dies geschehe oft durch selektive Bibelzitate oder verzerrte religiöse Symbolik. In meinen Gesprächen mit Gemeindevertreter:innen höre ich ähnliche Besorgnisse. Die Grenzlinien verschwimmen.
Besonders problematisch erscheint mir der Trend zum «christlichen Abendland» als politisches Schlagwort. Diese Rhetorik dient häufig der Ausgrenzung. Letzten Sonntag erlebte ich selbst eine Predigt, die subtil politische Botschaften transportierte. Die Reaktionen in der Gemeinde waren gespalten.
Latzel betont die Notwendigkeit eines kritischen Dialogs zwischen Politik und Religion. «Kirchen müssen wachsam bleiben und ihre prophetische Stimme erheben, wenn Menschenrechte oder Demokratie gefährdet sind.» Gleichzeitig warnt er vor parteipolitischer Vereinnahmung.
Die Herausforderung liegt im Gleichgewicht. Religiöse Überzeugungen dürfen in politische Debatten einfließen. Doch die Instrumentalisierung für politische Machtansprüche gefährdet sowohl den demokratischen Diskurs als auch die Glaubwürdigkeit religiöser Institutionen. Wir alle sind gefordert, diese Balance neu zu verhandeln.