In der Stuttgarter Innenstadt fanden sich am Samstag rund 750 Menschen zu einer pro-kurdischen Demonstration zusammen. Die Veranstaltung unter dem Motto «Freiheit für Kurdistan» verlief nach Angaben der Polizei ohne besondere Vorkommnisse. Der Protestzug startete gegen 14 Uhr am Schlossplatz und führte durch die zentralen Straßen der Landeshauptstadt.
«Wir sind mit dem Ablauf sehr zufrieden», erklärte Polizeisprecher Michael Weber. «Die Demonstrierenden haben sich an alle Auflagen gehalten, und es gab keinerlei Zwischenfälle.» Die Veranstalter hatten im Vorfeld mit etwa 1.000 Teilnehmenden gerechnet, letztendlich waren es etwas weniger.
Die Demonstration richtete sich gegen die türkische Politik gegenüber der kurdischen Minderheit und forderte mehr Rechte für Kurdinnen und Kurden. Viele Teilnehmende trugen Fahnen in den kurdischen Nationalfarben Rot, Gelb und Grün sowie Plakate mit Slogans wie «Freiheit für Öcalan» oder «Stoppt den Krieg gegen Kurden».
Sevim Aktaş, eine der Organisatorinnen, betonte: «Wir demonstrieren für die Anerkennung der kurdischen Identität und gegen die Unterdrückung unserer Kultur und Sprache. In der Türkei werden kurdische Politiker inhaftiert und Bürgermeister abgesetzt. Darauf wollen wir aufmerksam machen.»
Die Polizei war mit etwa 200 Einsatzkräften vor Ort, um die Demonstration zu begleiten. Besondere Vorkommnisse wurden nicht gemeldet. Auch die Verkehrsbeeinträchtigungen in der Innenstadt hielten sich in Grenzen, da die Route im Vorfeld mit den Behörden abgestimmt worden war.
Ibrahim Yilmaz, ein 43-jähriger Teilnehmer aus Esslingen, sagte: «Es ist wichtig, dass wir hier in Deutschland friedlich demonstrieren können. Viele von uns haben Verwandte in kurdischen Gebieten, die unter Diskriminierung leiden. Wir nutzen unsere demokratischen Rechte, um auf ihre Situation aufmerksam zu machen.»
Die kurdische Gemeinschaft in Stuttgart zählt mehrere tausend Menschen. Viele von ihnen sind in den 1980er und 1990er Jahren als politische Flüchtlinge oder Arbeitsmigranten nach Deutschland gekommen. Stuttgart gilt als eines der Zentren kurdischen Lebens in Deutschland.
Nach Angaben des Veranstalters, des Kurdischen Gesellschaftszentrums Stuttgart, soll die Demonstration auch ein Zeichen der Solidarität mit den Kurden in Syrien, dem Irak und dem Iran sein. In all diesen Ländern gibt es kurdische Minderheiten, die für mehr Autonomie oder kulturelle Rechte kämpfen.
Die Demonstration endete gegen 17 Uhr mit einer Abschlusskundgebung am Rotebühlplatz. Hier sprachen verschiedene Vertreter kurdischer Organisationen und betonten die Bedeutung internationaler Solidarität. Die Polizei begann anschließend mit dem schrittweisen Abbau der Absperrungen, und der normale Verkehr in der Innenstadt konnte wieder fließen.
Oberbürgermeister Frank Nopper hatte im Vorfeld an alle Beteiligten appelliert, die Demonstration friedlich zu gestalten. Dieser Appell wurde offensichtlich beherzigt. Die Stuttgarter Polizei zeigte sich erleichtert über den ruhigen Verlauf, da pro-kurdische Demonstrationen in der Vergangenheit gelegentlich von Spannungen mit türkisch-nationalistischen Gruppen begleitet waren.
Für die kommenden Wochen sind weitere Demonstrationen zu verschiedenen politischen Themen in Stuttgart angekündigt. Die Stadtverwaltung und die Polizei bereiten sich bereits darauf vor.