Ein neues Kapitel im spektakulären Fall des Millionendiebstahls bei einer Geldtransportfirma in Stuttgart beginnt heute vor dem Landgericht. Angeklagt ist ein 28-jähriger Mann, der als mutmaßlicher Komplize der Haupttäterin gilt. Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Beihilfe zum besonders schweren Diebstahl vor.
Der Fall hatte im vergangenen Jahr bundesweit für Aufsehen gesorgt, als eine damals 42-jährige Mitarbeiterin einer Geldtransportfirma mehr als 2,1 Millionen Euro aus dem Tresorraum entwendet hatte. Das Geld war in Geldkassetten für Bankautomaten verpackt und für den Transport vorbereitet.
Nach Erkenntnissen der Ermittler soll der jetzt angeklagte Mann der Frau beim Transport der schweren Geldkassetten geholfen haben. Außerdem wird ihm vorgeworfen, ihr bei der anschließenden Flucht Unterschlupf gewährt zu haben. Die Haupttäterin wurde bereits im Februar dieses Jahres zu einer Freiheitsstrafe von drei Jahren und neun Monaten verurteilt.
Bemerkenswert an dem Fall ist, dass ein erheblicher Teil der Beute noch immer verschwunden ist. Von den 2,1 Millionen Euro konnten die Ermittler bislang nur etwa 625.000 Euro sicherstellen. Der Rest des Geldes bleibt trotz intensiver Suche verschwunden.
Der Angeklagte bestreitet laut seinem Verteidiger die Vorwürfe. Er gibt an, nichts von den kriminellen Absichten der Haupttäterin gewusst zu haben. Seine Version der Geschichte: Er habe der Frau lediglich aus Freundschaft geholfen, ohne zu wissen, dass es sich um Diebesgut handelte.
Die Staatsanwaltschaft sieht das anders. Nach ihrer Auffassung war dem Mann durchaus bewusst, dass er bei einer Straftat half. Als Indiz dafür wertet die Anklage unter anderem, dass der 28-Jährige nach der Tat für mehrere Wochen untertauchte und seinen Wohnort wechselte.
Für den Prozess sind zunächst fünf Verhandlungstage angesetzt. Das Gericht wird zahlreiche Zeugen hören, darunter auch die bereits verurteilte Haupttäterin. Ob sie vor Gericht aussagen wird, ist jedoch noch unklar. Sie könnte von ihrem Zeugnisverweigerungsrecht Gebrauch machen.
Für die Mitarbeiter der betroffenen Geldtransportfirma hat der Fall weitreichende Konsequenzen. Das Unternehmen hat nach dem Vorfall seine Sicherheitsmaßnahmen deutlich verschärft. Mitarbeiter berichten von strengeren Kontrollen und neuen Überwachungssystemen.
Der Diebstahl hatte auch eine Debatte über Sicherheitsstandards in der Geldtransportbranche ausgelöst. Experten forderten nach dem Vorfall bundesweit einheitliche Regeln für den Umgang mit Bargeld in Transportfirmen. Besonders die Frage, wie eine einzelne Mitarbeiterin Zugriff auf eine so hohe Summe haben konnte, stand dabei im Mittelpunkt.
Falls der Angeklagte verurteilt wird, drohen ihm mehrere Jahre Haft. Das Gericht wird bei der Strafzumessung auch berücksichtigen, ob er Angaben zum Verbleib des restlichen Geldes macht. Eine Aussage könnte sich strafmildernd auswirken.
Die Öffentlichkeit verfolgt den Prozess mit großem Interesse. Viele fragen sich, ob durch das Verfahren neue Erkenntnisse über den Verbleib des fehlenden Geldes ans Licht kommen werden. Die Verhandlung beginnt heute um 9:30 Uhr im Saal 2 des Stuttgarter Landgerichts.