Der Montag beginnt mit einem bekannten Gefühl in meiner Magengegend. Eine Mischung aus Anspannung und Unbehagen. Mein erster Gedanke gilt nicht dem Kaffee, sondern der Flut von E-Mails, die mich erwarten. Die psychische Belastung durch Arbeit ist längst kein Randthema mehr. Sie betrifft immer mehr Menschen in unserer leistungsorientierten Gesellschaft.
Besonders die permanente Erreichbarkeit setzt uns zu. Das Smartphone als verlängerter Arm des Büros lässt die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben verschwimmen. «Wir beobachten eine besorgniserregende Zunahme von Erschöpfungszuständen bei Berufstätigen», erklärt Dr. Martina Weber, Psychologin mit Schwerpunkt Arbeitsgesundheit. Hinzu kommt der steigende Leistungsdruck. Mehr schaffen in weniger Zeit scheint das unausgesprochene Motto vieler Unternehmen. Vor zwei Jahren erlebte ich selbst, wie mein Körper streikte. Nach Monaten ohne echte Pausen fand ich mich weinend vor meinem Laptop wieder. Ein Weckruf, den ich nicht ignorieren konnte.
Die gute Nachricht: Das Bewusstsein für mentale Gesundheit am Arbeitsplatz wächst. Immer mehr Unternehmen etablieren Achtsamkeitsprogramme und flexible Arbeitsmodelle. Auch das offene Gespräch über psychische Belastungen verliert langsam sein Stigma. Der Weg zu einer gesünderen Arbeitskultur ist noch weit. Aber jedes Gespräch darüber bringt uns einen Schritt voran. Vielleicht liegt gerade darin unsere gemeinsame Aufgabe – die Arbeitswelt menschlicher zu gestalten.