Am vergangenen Freitagabend wurde unsere Stadt erneut Schauplatz eines beunruhigenden Vorfalls. Ein 28-jähriger Mann wurde am Güntzplatz in der Johannstadt von einer Gruppe Jugendlicher überfallen und beraubt. Der Vorfall ereignete sich gegen 23 Uhr und hat bei Anwohnern Besorgnis über die Sicherheit in diesem sonst ruhigen Stadtteil ausgelöst.
Nach ersten Erkenntnissen der Polizeidirektion Dresden näherten sich vier junge Männer dem Opfer und forderten unter Androhung von Gewalt die Herausgabe seiner Wertsachen. Als der 28-Jährige sich weigerte, eskalierte die Situation. Die Täter griffen ihn körperlich an und entwendeten sein Mobiltelefon sowie Bargeld, bevor sie in verschiedene Richtungen flohen.
Ein aufmerksamer Zeuge alarmierte umgehend die Polizei, die mit mehreren Streifenwagen anrückte. Die schnelle Reaktion der Beamten führte zu einem unerwarteten Wendepunkt: Einer der mutmaßlichen Täter kehrte zum Tatort zurück – möglicherweise in der Annahme, die Polizei sei bereits abgezogen. Die Beamten konnten den 18-jährigen Deutschen daraufhin festnehmen.
«Die Rückkehr eines Täters zum Tatort ist ungewöhnlich, kommt aber vor», erklärte ein Polizeisprecher. «Manchmal kehren sie zurück, um zurückgelassene Gegenstände zu holen oder um zu sehen, ob Zeugen noch anwesend sind.»
Das Opfer erlitt bei dem Überfall leichte Verletzungen, die vor Ort von Sanitätern behandelt wurden. Eine Krankenhausbehandlung war glücklicherweise nicht erforderlich. Der psychologische Schaden solcher Überfälle wiegt jedoch oft schwerer als die körperlichen Verletzungen.
Anwohner des Güntzplatzes zeigten sich erschüttert über den Vorfall. «Ich wohne seit über 15 Jahren hier, und die Gegend war immer sicher», berichtet Maria K. (57), die in der Nähe des Tatorts lebt. «In letzter Zeit hört man aber immer häufiger von solchen Vorfällen. Das macht mir Sorgen.»
Die Kriminalpolizei hat die Ermittlungen aufgenommen und sucht nun nach den drei weiteren Tätern, die nach dem Überfall flüchten konnten. Sie werden auf ein Alter zwischen 16 und 19 Jahren geschätzt. Einer trug eine auffällige rote Jacke, ein anderer eine schwarze Kappe.
«Wir werten derzeit Videoaufnahmen aus der Umgebung aus und befragen weitere Zeugen», teilte ein Ermittler mit. «Die Festnahme eines Tatverdächtigen ist ein wichtiger erster Schritt, aber wir setzen alles daran, auch die anderen Beteiligten zu identifizieren.»
Die Polizei bittet Personen, die am Freitagabend zwischen 22:30 und 23:30 Uhr verdächtige Beobachtungen im Bereich des Güntzplatzes gemacht haben, sich unter der Telefonnummer 0351-483 22 33 zu melden.
Der Vorfall reiht sich in eine besorgniserregende Entwicklung ein. Die Statistik zeigt, dass Raubdelikte im öffentlichen Raum in Dresden im vergangenen Jahr um etwa 8 Prozent zugenommen haben. Besonders die Beteiligung sehr junger Täter bereitet den Behörden Sorgen.
Sozialarbeiter wie Thomas Weber vom Jugendamt Dresden sehen verschiedene Ursachen für diese Entwicklung: «Oft stecken hinter solchen Taten komplexe soziale Probleme – vom Gruppendruck über fehlende Perspektiven bis hin zu Suchtmittelmissbrauch.»
Die Stadtverwaltung hat auf die steigende Zahl von Vorfällen reagiert und verstärkt die Präsenz von Sicherheitskräften in bestimmten Bereichen. Zudem wurden mehr Streetworker eingesetzt, die präventiv mit gefährdeten Jugendlichen arbeiten sollen.
Für den Güntzplatz und die umliegende Johannstadt werden nun zusätzliche Maßnahmen geprüft. «Wir denken über eine bessere Beleuchtung nach und prüfen, ob wir mehr Streifen in den Abendstunden einsetzen können», erklärt Bezirksamtsleiter Jens Hoffmann.
Experten betonen jedoch, dass reine Sicherheitsmaßnahmen nicht ausreichen. «Wir müssen auch die sozialen Ursachen angehen und Jugendlichen Alternativen bieten», fordert Jugendsozialarbeiterin Petra Müller. Sie verweist auf erfolgreiche Projekte in anderen Stadtteilen, wo offene Jugendtreffs und Sportangebote die Kriminalitätsraten senken konnten.
Der Vorfall am Güntzplatz macht deutlich, dass Sicherheit im öffentlichen Raum eine fortwährende Herausforderung bleibt, die ein Zusammenwirken von Polizei, Sozialarbeit und Bürgerbeteiligung erfordert. Anwohner sind nun besonders wachsam und achten verstärkt aufeinander – eine positive Reaktion auf ein negatives Ereignis.
Die Polizei rät Bürgern, bei nächtlichen Wegen wachsam zu sein und wenn möglich, nicht allein unterwegs zu sein. Bei verdächtigen Beobachtungen sollte umgehend der Notruf 110 gewählt werden.