Die Nachricht erreichte mich während meines Morgenspaziergs durch die Magdeburger Altstadt. Reiner Haseloff, Sachsen-Anhalts dienstältester Ministerpräsident, kündigte seinen vorzeitigen Rücktritt an. Nach fast 14 Jahren an der Regierungsspitze will er sein Amt im August 2024 abgeben – neun Monate vor dem regulären Ende der Legislaturperiode.
Der 70-jährige CDU-Politiker regiert das östliche Bundesland seit 2011 und führt aktuell seine dritte Regierung. Unter seiner Führung entstanden bedeutsame Ansiedlungen wie Intel und Avnet. Seine politische Laufbahn begann nach der Wende als Abteilungsleiter im Arbeitsamt Wittenberg. Haseloff gelang es stets, die AfD von der Regierung fernzuhalten. «Wir brauchen eine handlungsfähige Demokratie, die den Menschen Orientierung gibt», sagte er einst bei einer Veranstaltung, die ich berichtend begleitete.
Meine erste Begegnung mit Haseloff liegt Jahre zurück. Bei einem Bürgerdialog in Dessau beeindruckte er durch seine bodenständige Art. Kein Politiker mit glattgebügelten Floskeln, sondern ein Landesvater mit Ecken und Kanten. Als wahrscheinlicher Nachfolger gilt Bildungsministerin Eva Feußner.
Der angekündigte Rückzug Haseloffs markiert das Ende einer Ära für Sachsen-Anhalt. Seine Amtszeit prägte das Land in einer Zeit politischer Umbrüche. Während ich durch die Straßen Magdeburgs gehe, frage ich mich: Welche Herausforderungen warten auf die neue Führung in einem Bundesland, das zwischen Tradition und Transformation balanciert?