Die Beschwerden über die Müllabfuhr in Essen nehmen zu. Seit Remondis vor zwei Jahren die Verantwortung für die Abfallentsorgung in unserer Stadt übernommen hat, häufen sich Klagen von Bürgern über nicht geleerte Tonnen, liegengebliebenen Müll und verschmutzte Straßen.
«Ich stelle meine Mülltonne jeden Montag raus, aber mindestens einmal im Monat wird sie nicht geleert», berichtet Anwohnerin Martina Küpper aus Rüttenscheid. «Dann muss ich beim Kundenservice anrufen, warte ewig in der Warteschleife und hoffe, dass jemand zurückkommt. Das war früher anders.»
Diese Erfahrung teilen viele Essener. Die städtische Beschwerdestelle verzeichnet einen Anstieg der Meldungen um 35 Prozent im Vergleich zur Zeit vor der Übernahme durch Remondis. Besonders in den Stadtteilen Rüttenscheid, Holsterhausen und Frohnhausen scheint es Probleme zu geben.
«Die Situation ist nicht zufriedenstellend», räumt auch Umweltdezernentin Maria Schulz ein. «Wir stehen mit Remondis in engem Kontakt, um die Leistung zu verbessern.» Der Vertrag mit dem Entsorgungsunternehmen läuft noch bis 2027, enthält aber Klauseln für Strafzahlungen bei wiederholten Verstößen gegen die Leistungsvereinbarungen.
Die Gründe für die Probleme sind vielfältig. Laut Remondis-Sprecher Thomas Weber kämpft das Unternehmen mit Personalmangel und einem veralteten Fuhrpark. «Wir bilden verstärkt aus und haben neue Fahrzeuge bestellt, aber die Lieferzeiten sind lang», erklärt Weber. «Wir verstehen den Unmut der Bürger und arbeiten an Verbesserungen.»
Die Stadt hat inzwischen reagiert und die Kontrollen verschärft. Ein vierköpfiges Team überprüft stichprobenartig die Leistungen des Entsorgers. «Bei wiederholten Mängeln verhängen wir Vertragsstrafen«, betont Schulz. Im vergangenen Jahr wurden bereits Zahlungen in Höhe von 120.000 Euro fällig.
Für die Bürger ist das nur ein schwacher Trost. «Mir ist egal, wer schuld ist – ich will einfach, dass mein Müll regelmäßig abgeholt wird», sagt Rentner Klaus Becker aus Holsterhausen. Er fordert ein Beschwerdemanagement, das schneller reagiert, und notfalls eine Überprüfung der Vertragsbedingungen.
Die Bürgerinitiative «Sauberes Essen» sammelt bereits Unterschriften für einen offenen Brief an den Stadtrat. «Wir fordern mehr Transparenz bei der Kontrolle von Remondis und klare Konsequenzen bei Nichteinhaltung der Vereinbarungen», erklärt Sprecherin Petra Müller.
Stadtrat Johannes Kraft von den Grünen sieht die Privatisierung der Müllabfuhr inzwischen kritisch: «Wir müssen offen diskutieren, ob diese Lösung langfristig die richtige ist oder ob eine Rekommunalisierung nach Vertragsende sinnvoller wäre.»
Die Entscheidung, die Müllabfuhr an Remondis zu vergeben, fiel 2021 nach einer europaweiten Ausschreibung. Damals überzeugte das Unternehmen mit dem wirtschaftlichsten Angebot. Die Stadt erhoffte sich Einsparungen von rund drei Millionen Euro jährlich.
Doch die finanziellen Vorteile werden durch den Mehraufwand für Kontrollen und die Unzufriedenheit der Bürger teilweise aufgezehrt. «Es geht nicht nur um Zahlen», mahnt Kraft. «Eine funktionierende Müllabfuhr ist ein wesentlicher Teil der Daseinsvorsorge und beeinflusst die Lebensqualität in unserer Stadt.»
Für betroffene Bürger hat die Stadt eine Hotline eingerichtet. Unter der Nummer 0201-8546000 können nicht erfolgte Leerungen und andere Probleme gemeldet werden. Zusätzlich gibt es ein Online-Formular auf der städtischen Webseite.
«Wir nehmen jede Beschwerde ernst», versichert Schulz. «Nur wenn wir detaillierte Rückmeldungen bekommen, können wir gezielt nachsteuern und Remondis in die Pflicht nehmen.»
Remondis hat inzwischen einen Aktionsplan vorgelegt, der unter anderem die Einstellung zusätzlicher Mitarbeiter, optimierte Tourenplanung und ein verbessertes Beschwerdemanagement vorsieht. Ob dies die Situation verbessert, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.
Die Essener jedenfalls erwarten schnelle Lösungen. «Eine saubere Stadt ist keine Luxusforderung, sondern ein Grundbedürfnis«, betont Müller von der Bürgerinitiative. «Wir werden nicht nachlassen, bis die Probleme behoben sind.»