Die Kosten für einen Rettungswageneinsatz in Hamburg sind drastisch gestiegen. Während Bürger und Opposition die Erhöhung kritisieren, verteidigt der Senat seine Entscheidung mit gestiegenen Personal- und Betriebskosten. Die Gebührenerhöhung trifft viele Hamburger unerwartet hart.
Ein Rettungswageneinsatz in Hamburg kostet seit Januar 2024 stolze 1.226 Euro – eine Steigerung um mehr als 50 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Für einen Notarztwagen müssen Patienten sogar 1.881 Euro zahlen, was einem Anstieg von 54 Prozent entspricht. Diese Zahlen sorgen bei vielen Bürgern und in der Opposition für Empörung.
Die Stadt Hamburg begründet die Erhöhung mit deutlich gestiegenen Kosten. Laut Innenbehörde haben sich die Ausgaben für Personal und Betrieb erheblich verteuert. Innensenator Andy Grote (SPD) betonte, dass die Gebühren kostendeckend kalkuliert werden müssen. «Die Qualität der Notfallrettung hat für uns höchste Priorität. Diese ist aber nicht zum Nulltarif zu haben.»
Die Feuerwehr Hamburg, die für den Rettungsdienst zuständig ist, verzeichnet jährlich über 290.000 Einsätze. Die Personalkosten steigen kontinuierlich, da mehr Fachkräfte benötigt werden, um die wachsende Zahl an Notrufen zu bewältigen. Hinzu kommen Investitionen in moderne Fahrzeuge und medizinische Geräte.
«Die Preiserhöhung ist dennoch ein Schlag ins Gesicht für viele Hamburger», kritisiert Dennis Thering, Vorsitzender der CDU-Fraktion. «Der Senat muss erklären, warum die Kosten in Hamburg deutlich höher liegen als in vergleichbaren Großstädten.»
Für die meisten Bürger bleibt die Erhöhung jedoch zunächst unsichtbar, da die Krankenkassen die Kosten für medizinisch notwendige Rettungseinsätze übernehmen. Problematisch wird es jedoch bei nicht medizinisch notwendigen Einsätzen oder für Menschen ohne Krankenversicherung.
Die Gebühren werden alle zwei Jahre neu kalkuliert. Der aktuelle Anstieg ist jedoch ungewöhnlich hoch. Im Vergleich: In München kostet ein Rettungswageneinsatz etwa 800 Euro, in Berlin rund 950 Euro.
Die Sozialbehörde weist darauf hin, dass trotz der höheren Kosten niemand zögern sollte, in einem Notfall den Rettungsdienst zu rufen. «Bei einem echten medizinischen Notfall übernehmen die Krankenkassen die Kosten vollständig», betont Gesundheitssenatorin Melanie Leonhard (SPD).
Einige Experten sehen in der Gebührenerhöhung jedoch auch eine Chance, den Rettungsdienst zu entlasten. «Zu viele Hamburger rufen den Rettungswagen bei Bagatellen, die kein Notfall sind», erklärt Dr. Martin Weber von der Ärztekammer Hamburg. «Das blockiert Ressourcen für echte Notfälle.»
Die Feuerwehr Hamburg weist darauf hin, dass bei weniger dringenden medizinischen Problemen der ärztliche Bereitschaftsdienst unter der Telefonnummer 116 117 kontaktiert werden sollte. Dieser ist rund um die Uhr erreichbar und kann bei vielen Beschwerden helfen, ohne dass ein Rettungswagen ausrücken muss.
Der Senat plant, die Informationskampagne zu verstärken, damit Bürger besser einschätzen können, wann tatsächlich der Notruf 112 gewählt werden sollte. Gleichzeitig wird versichert, dass die Qualität des Hamburger Rettungsdienstes weiterhin auf höchstem Niveau bleibt.
Für die Zukunft kündigt die Stadt an, die Rettungsinfrastruktur weiter auszubauen. Neue Rettungswachen und zusätzliches Personal sollen die Hilfsfristen verkürzen. Diese Investitionen werden allerdings auch künftig zu steigenden Kosten führen.