Der Rheinpegel in Köln hat am Dienstagmorgen die kritische Hochwassermarke I von 6,20 Metern überschritten. Nach Angaben der Stadtentwässerungsbetriebe (StEB) erreichte der Wasserstand um 7:00 Uhr bereits 6,27 Meter – und steigt weiter an. Für Freitag rechnen die Experten mit einem Höchststand von bis zu 8,00 Metern, wodurch voraussichtlich die Hochwassermarke II erreicht wird.
Die anhaltenden Regenfälle der vergangenen Tage und die Schneeschmelze in den Mittelgebirgen haben zu einem raschen Anstieg des Rheinpegels geführt. Laut Hochwassermeldezentrum Rhein fließen aktuell rund 5.700 Kubikmeter Wasser pro Sekunde durch Köln – etwa dreimal so viel wie bei normalem Wasserstand.
«Wir beobachten die Lage sehr genau», erklärt Michael Steiner von der Hochwasserschutzzentrale Köln. «Die ersten Schutzmaßnahmen wurden bereits eingeleitet, weitere folgen in den nächsten Tagen.» Die Stadt hat umgehend mit der Sperrung erster Bereiche im Ufergebiet begonnen.
Was bedeutet Hochwassermarke I für Köln?
Bei Überschreitung der Hochwassermarke I werden zunächst niedrig gelegene Uferwege und -bereiche überflutet. Betroffen sind vor allem die beliebten Rheinboulevards in der Altstadt und Deutz sowie Teile der Rheinwiesen. Die StEB haben bereits mobile Pumpen in den gefährdeten Bereichen installiert, um das eindringende Grundwasser abzupumpen.
Für Schiffe gilt nun eine Geschwindigkeitsbegrenzung auf dem Rhein. «Die Schiffe müssen jetzt langsamer fahren, um die Uferböschungen zu schützen», erläutert ein Sprecher des Wasserstraßen- und Schifffahrtsamts.
Anwohner in den rheinnahen Stadtteilen wie der Altstadt, Rodenkirchen und Porz sollten wachsam sein. «In Kellern und Tiefgaragen nahe dem Rhein kann es bereits zu ersten Wassereintritten kommen», warnt Steiner. Die Stadt empfiehlt, wertvolle Gegenstände aus gefährdeten Räumen zu entfernen und Kellerschächte zu sichern.
Weitere Maßnahmen bei steigendem Pegel
Sollte der Rhein wie prognostiziert weiter steigen und die Hochwassermarke II von 8,30 Metern erreichen, werden weitere Schutzmaßnahmen notwendig:
«Ab einem Pegelstand von etwa 7,50 Metern beginnen wir mit dem Aufbau der mobilen Hochwasserschutzwände in den gefährdeten Bereichen», erklärt Katja Werner vom Krisenstab der Stadt Köln. Diese Aluminiumwände sollen besonders gefährdete Stadtteile wie die Altstadt vor dem eindringenden Wasser schützen.
Die Feuerwehr Köln hat ihre Einsatzbereitschaft erhöht. «Wir haben zusätzliche Kräfte in Bereitschaft versetzt und unser Hochwassermaterial überprüft», sagt Feuerwehrsprecher Martin Klein. Sandsäcke stehen in ausreichender Zahl zur Verfügung und können bei Bedarf schnell verteilt werden.
Auswirkungen auf den Alltag der Kölner
Das Hochwasser hat bereits jetzt Auswirkungen auf das Leben in der Stadt. Die beliebten Rheinterrassen sind gesperrt, ebenso wie Teile der Promenaden. Jogger und Spaziergänger müssen auf andere Strecken ausweichen.
Für die Gastronomie am Rhein bedeutet das steigende Wasser erste Einschränkungen. «Wir müssen unsere Außenbereiche räumen und hoffen, dass das Wasser nicht noch viel weiter steigt», sagt Peter Schmitz, Betreiber eines Restaurants am Rheinufer in der Altstadt. «Nach der Corona-Zeit ist das natürlich wieder ein Rückschlag für uns.»
Auch der öffentliche Nahverkehr könnte betroffen sein. Die KVB beobachtet die Situation genau, besonders im Hinblick auf die Unterführungen nahe dem Rhein. «Sollte das Wasser weiter steigen, müssen wir möglicherweise einige Strecken umleiten», erklärt eine KVB-Sprecherin.
Historische Einordnung und Ausblick
Hochwasser gehören zum Leben am Rhein. Die Kölner sind an die regelmäßigen Pegelanstiege gewöhnt. Das aktuelle Hochwasser zählt bisher nicht zu den extremen Ereignissen. Zum Vergleich: Beim Jahrhunderthochwasser 1995 erreichte der Rheinpegel in Köln fast 11 Meter, und auch 1993 gab es mit 10,63 Metern ein extremes Hochwasser.
«Seit diesen Extremereignissen hat die Stadt massiv in den Hochwasserschutz investiert», betont Umweltdezernent Harald Rau. «Wir sind heute deutlich besser vorbereitet als damals.»
Die StEB raten den Bürgern, sich regelmäßig über die aktuelle Lage zu informieren. Aktuelle Pegelstände und Prognosen werden auf der Website der Stadt Köln veröffentlicht. Zudem gibt es eine Hochwasser-Hotline, die unter der Nummer 0221-221-24242 erreichbar ist.
Experten gehen davon aus, dass der Rheinpegel nach dem erwarteten Höchststand am Freitag langsam wieder sinken wird – vorausgesetzt, es kommt nicht zu weiteren starken Niederschlägen im Einzugsgebiet des Rheins.
Die Kölner nehmen das Hochwasser bisher gelassen. «Das gehört zu Köln wie der Dom und der Karneval», meint Anwohnerin Maria Schmidt aus der Altstadt. «Wir haben unsere Vorsichtsmaßnahmen getroffen und beobachten jetzt, wie hoch das Wasser wirklich steigt.»