Der Rosenmontag verwandelte unser Eberswalder Rathaus gestern in einen bunten Tummelplatz der guten Laune. Statt Aktenordnern und Verwaltungsangelegenheiten dominierten plötzlich Konfetti, Kostüme und ausgelassenes Treiben die sonst so nüchternen Flure. Bürgermeister Boginski empfing die Narren mit offenen Armen und einem verschmitzten Lächeln unter seiner temporären Pappnase.
Die Eberswalder Karnevalgesellschaft übernahm symbolisch die Stadtschlüssel und damit für einen Tag die Macht im Rathaus. «Wir regieren jetzt nach Narrenart – mit Herz, Humor und ohne Paragraphen!», verkündete Karnevalspräsident Matthias Grothe unter tosendem Applaus. Die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Stadtverwaltung hatten sich erstaunlich kreativ in Schale geworfen. Vom Finanzamt-Piraten bis zur Bauamt-Fee war alles vertreten. Besonders beeindruckte mich die Verkleidung von Frau Schneider aus dem Einwohnermeldeamt, die als wandelnde Wartemarke erschien – selbstironischer Humor, der ankam!
Die traditionellen Tänze der Funkengarde brachten selbst den sonst so besonnenen Bauamtsleiter zum Mitschunkeln. Zwischen Polonaise und Berliner Pfannkuchen konnte ich beobachten, wie die sonst streng getrennten Hierarchieebenen im gemeinsamen Feiern verschwammen. Eine Bürgermeister-Sekretärin verriet mir augenzwinkernd: «Heute darf ich meinem Chef sogar widersprechen – narrenfreie Zone!»
Während draußen der Februar noch graue Mienen verordnet, schafft es der Karneval, für einen Tag unsere städtische Gemeinschaft in neuem Licht zu zeigen. Wenn das Konfetti weggeräumt und die Aktenordner wieder in Reih und Glied stehen, bleibt hoffentlich etwas von diesem Geist erhalten. Denn ein bisschen mehr Narretei täte dem Amtsalltag manchmal ganz gut – nicht nur am Rosenmontag.