Von der Seitenlinie betrachtet wirkt die Lage für Rot-Weiss Erfurt fast aussichtslos. Neun Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Greifswald trennen die Thüringer vom Aufstiegsplatz in der Regionalliga Nordost. Doch während viele den Traum vom Aufstieg bereits begraben haben, denkt RWE-Coach Fabian Gerber anders. Die Statistik gibt ihm sogar Recht: In den letzten vier Spielzeiten wurden zweimal ähnliche Rückstände aufgeholt.
«Solange es mathematisch möglich ist, geben wir nicht auf», betont Gerber mit der für ihn typischen Entschlossenheit. Seine Mannschaft zeigte zuletzt beim 3:1 gegen Viktoria Berlin, dass sie noch im Rennen ist. Die Erfurter haben dabei ihr größtes Plus: die Heimstärke im Steigerwaldstadion, wo der Rasen trotz Winterwetter in bemerkenswert gutem Zustand ist. Acht Siege aus zehn Heimspielen sprechen eine deutliche Sprache.
Kapitän Andrej Startsev sieht noch einen weiteren Vorteil: «Die Konkurrenz muss noch gegeneinander spielen. Wir konzentrieren uns nur auf uns selbst.» Tatsächlich treffen die vier Teams vor RWE in der Rückrunde noch aufeinander – Punktverluste sind programmiert. Beim Training am Dienstag spürte ich diese besondere Mischung aus Konzentration und Zuversicht. Die Spieler wirken fokussiert, nicht resigniert.
Die kommenden Wochen werden entscheidend. Mit Cottbus und dem BFC Dynamo warten noch direkte Duelle gegen Aufstiegskonkurrenten. Die Erfurter Fans glauben weiter an das kleine Fußballwunder. Und vielleicht liegt genau darin die größte Stärke: Während der Druck auf die Spitzenteams wächst, kann RWE befreit aufspielen. Im Fußball wurden schon ganz andere Rückstände aufgeholt.