Ein dramatischer Polizeieinsatz sorgte gestern Abend für Aufregung im Düsseldorfer S-Bahnverkehr. Auf der vielbefahrenen Linie S6 stoppten Beamte einen Zug und betraten diesen mit schussbereiten Waffen. Das Ereignis hat bei vielen Fahrgästen und Anwohnern für Verunsicherung gesorgt.
Gegen 19:30 Uhr erhielt die Polizei einen Notruf über eine verdächtige Person in der S-Bahn, die möglicherweise bewaffnet sei. Die Einsatzkräfte reagierten umgehend und mit höchster Vorsicht. «Bei solchen Meldungen gehen wir kein Risiko ein und bereiten uns auf alle Szenarien vor», erklärte Polizeisprecherin Claudia Müller.
Der Zug wurde am Bahnhof Düsseldorf-Bilk angehalten. Speziell geschulte Polizeibeamte betraten die S-Bahn mit gezogenen Dienstwaffen, während der Bahnsteig geräumt wurde. Fahrgäste mussten den Zug verlassen und wurden in sichere Entfernung gebracht. Augenzeugen beschrieben die Situation als «beängstigend, aber sehr professionell gehandhabt».
Nach intensiver Durchsuchung des Zuges konnte Entwarnung gegeben werden. «Wir haben die verdächtige Person identifiziert, aber keine Waffe gefunden», so Müller weiter. Es stellte sich heraus, dass ein Missverständnis vorlag. Ein Fahrgast hatte einen ungewöhnlich geformten Gegenstand bei einer Person gesehen und dies als mögliche Waffe gedeutet.
Die betroffene Person wurde kurzzeitig festgehalten, konnte nach Klärung des Sachverhalts aber wieder gehen. «In diesem Fall war die Meldung unbegründet, aber wir sind dankbar, wenn aufmerksame Bürger verdächtige Beobachtungen melden», betonte die Polizeisprecherin.
Der S-Bahnverkehr war für etwa 45 Minuten unterbrochen. Laut Angaben der Rheinbahn waren fünf Züge von Verspätungen betroffen. Gegen 20:15 Uhr konnte der reguläre Betrieb wieder aufgenommen werden.
Solche Polizeieinsätze in öffentlichen Verkehrsmitteln folgen strengen Protokollen. «Die Sicherheit der Fahrgäste hat absolute Priorität», erläuterte Verkehrssicherheitsexperte Thomas Weber. «Beim Verdacht auf Waffen müssen die Einsatzkräfte von der größten Gefahr ausgehen und entsprechend handeln.»
In den letzten Monaten hat die Polizeipräsenz in öffentlichen Verkehrsmitteln in Düsseldorf zugenommen. Die Behörden reagieren damit auf gestiegene Zahlen bei Diebstählen und Belästigungen. Statistiken des Polizeipräsidiums zeigen, dass die Kriminalität in Bahnen und an Bahnhöfen im Vergleich zum Vorjahr um etwa 7 Prozent angestiegen ist.
Für Fahrgäste gilt: Bei verdächtigen Beobachtungen die Polizei verständigen, aber keine eigenmächtigen Maßnahmen ergreifen. Die Notrufnummer 110 ist rund um die Uhr erreichbar. Viele S-Bahnen verfügen zudem über Notruftasten.
Der Vorfall unterstreicht die Bedeutung von Sicherheitsmaßnahmen im öffentlichen Nahverkehr. Die Polizei Düsseldorf plant in den kommenden Wochen verstärkte Präsenz an neuralgischen Punkten des S-Bahn-Netzes, um das Sicherheitsgefühl der Fahrgäste zu stärken.