Die blau-weiße Fahne der AfD flattert im Wind, während ich vor dem Versammlungsort in Sachsen-Anhalt stehe. Ein besonderer Tag für die Partei. Nach monatelangen internen Querelen haben 110 Mitglieder einen Sonderparteitag durchgesetzt. Die Basis will mitreden, fordert mehr Transparenz von der Führungsriege um Landeschef Martin Reichardt.
«Wir sind die Partei der Basisdemokratie, da muss auch die Führung zuhören lernen», sagt mir ein langjähriges Mitglied am Eingang. Seine Stimme klingt entschlossen, fast trotzig. Der Unmut in der Partei wächst. Besonders die Kandidatenaufstellung für die Landtagswahl sorgte für Verstimmungen. Viele fühlen sich übergangen, sprechen von «Hinterzimmerpolitik». Ausgerechnet in der Partei, die sich als Alternative zu den etablierten Strukturen versteht, brodelt es gewaltig.
Die Regionalkonferenzen der letzten Wochen brachten keine Beruhigung. Im Gegenteil. Bei meinem Rundgang höre ich immer wieder Kritik am Führungsstil. «Wir wollen nicht nur Statisten sein», flüstert mir eine Frau mittleren Alters zu. Der Landesvorstand wirkt angespannt. Das Tischtuch zwischen Basis und Spitze scheint an manchen Stellen bereits zerschnitten.
Während die Partei bundesweit Höhenflüge feiert, offenbart sich hier eine interessante Dynamik. Die vielgepriesene Basisdemokratie wird zum Prüfstein. Die kommenden Wochen werden zeigen, ob die AfD ihren eigenen Ansprüchen gerecht werden kann. Oder ob sie letztlich den gleichen Mechanismen erliegt, die sie bei anderen so vehement kritisiert.