Der graue BMW X5 bremste abrupt auf der B2 bei Garmisch-Partenkirchen. Vier verängstigte Gestalten sprangen heraus und verschwanden im Gebüsch. Minuten später stoppten Bundespolizisten das Fahrzeug. Was sich wie eine Filmszene liest, ereignete sich gestern in unserem beschaulichen Alpenvorland – ein Schleusungsversuch mitten in Bayern.
Die beiden Insassen, ein 27-jähriger Syrer und sein 29-jähriger Landsmann, konnten keine plausible Erklärung für die flüchtenden Personen liefern. In ihrem Wagen fanden die Beamten Gepäckstücke und persönliche Gegenstände. Erst im Verhör gaben sie zu, vier Migranten transportiert zu haben. Der Fahrer besaß nicht einmal einen Führerschein.
«Diese Schleuserroute über Österreich wird immer häufiger genutzt», erklärt Polizeioberkommissar Werner Meier. «Die Schleuser nehmen für ihre Dienste oft mehrere tausend Euro, bringen aber die Menschen in lebensgefährliche Situationen.» Letzte Woche erst erlebte ich selbst, wie ein vollbesetzter Kleinbus mit ausländischen Kennzeichen von einer Streife angehalten wurde. Die Blicke der Insassen werde ich nicht vergessen.
Die Polizei sucht nun nach den geflüchteten Personen, vermutlich Syrer ohne Einreisepapiere. Der Fahrer sitzt in Untersuchungshaft. Während in den Nachrichten oft über große politische Lösungen diskutiert wird, zeigen solche Vorfälle die menschliche Dimension der Migrationsfrage. Menschen riskieren ihr Leben für ein besseres Dasein, andere verdienen daran. Eine Herausforderung, die uns alle angeht.