Der erste große Wintereinbruch des Jahres 2026 steht Hamburg bevor. Die Behörde für Schule und Berufsbildung hat alle Schulleiter zu Krisensitzungen einberufen. Meteorologen warnen vor bis zu 35 Zentimeter Neuschnee in der kommenden Woche. Laut Hamburger Wetterdienst könnten die Temperaturen auf bis zu minus 12 Grad fallen – Werte, die in der Hansestadt seit über einem Jahrzehnt nicht mehr gemessen wurden.
«Wir müssen vorbereitet sein», sagt Schulsenatorin Martina Weber. «Die Sicherheit unserer 230.000 Schülerinnen und Schüler steht an erster Stelle.» Sollten die Prognosen eintreffen, wäre es das erste großflächige «Schneefrei» in Hamburg seit dem Winter 2012/2013.
Die Schulbehörde hat einen dreistufigen Notfallplan erarbeitet. Bei leichtem Schneefall bleiben die Schulen geöffnet, bei mittlerem Schneefall entscheiden die Schulleiter selbst, und bei schwerem Schneefall gibt die Behörde zentral Schulschließungen bekannt. Informationen werden über die SchulApp, soziale Medien und den lokalen Rundfunk verbreitet.
Nicht alle sind begeistert. «In meiner Kindheit sind wir bei jedem Wetter zur Schule gegangen», erinnert sich der 67-jährige Hans Meier aus Barmbek. «Heute wird bei jedem Flöckchen gleich zugemacht.«
Doch die Zeiten haben sich geändert. Viele Lehrkräfte wohnen mittlerweile im Hamburger Umland und müssen weite Strecken zurücklegen. «Wenn die S-Bahnen nicht fahren, stehen wir ohne Personal da», erklärt Schulleiterin Fatma Yilmaz von der Stadtteilschule Wilhelmsburg.
Die Stadt hat vorsorglich 800 Tonnen Streusalz eingelagert und 120 Räumfahrzeuge in Bereitschaft versetzt. Die Hamburger Hochbahn hat Zusatzfahrzeuge und -personal aktiviert, um den öffentlichen Nahverkehr aufrechtzuerhalten.
Elternvertreterin Sabine Lohmann ist zwiegespalten: «Einerseits verstehe ich die Sicherheitsbedenken. Andererseits bringt Schulausfall für berufstätige Eltern enorme Probleme.» Sie wünscht sich mehr digitale Lösungen. «Nach Corona sollten wir doch in der Lage sein, schnell auf Fernunterricht umzuschalten.»
Genau das ist Teil des Plans. Die während der Pandemie aufgebaute digitale Infrastruktur soll genutzt werden. «Bei Schulschließungen werden wir sofort auf Distanzunterricht umstellen«, verspricht Schulsenatorin Weber. «Die Tablets und Lernplattformen stehen bereit.»
Wetterexperte Dr. Sven Thomsen vom Hamburger Wetterdienst mahnt zur Besonnenheit: «Noch können wir nicht mit Sicherheit sagen, ob der große Schnee wirklich kommt. Die Wettermodelle schwanken noch.» Die endgültige Entscheidung über Schulschließungen wird deshalb erst am Sonntagabend fallen.
Für die Kinder ist die Aussicht auf Schneefrei natürlich ein Grund zur Freude. Die zwölfjährige Emma aus Eimsbüttel hat schon Pläne: «Ich hoffe, es schneit ganz doll! Dann bauen wir eine Schneemannarmee im Park.«
Die Stadt empfiehlt allen Hamburgern, die Entwicklung des Wetters genau zu verfolgen und sich auf mögliche Verkehrsbehinderungen einzustellen. Aktuelle Informationen zu Schulschließungen werden ab Sonntag auf der Website der Schulbehörde veröffentlicht.