Die Beratung im Geschäft nutzen, dann online billiger kaufen – dieses «Showrooming» treibt den lokalen Einzelhandel in die Enge. Immer mehr Kunden lassen sich ausführlich beraten, ziehen dann aber ihr Smartphone und bestellen das Produkt günstiger im Internet. Ein Problem, das besonders Buchhändler, Elektronikfachmärkte und Modegeschäfte trifft.
«Wir investieren Zeit und Fachwissen in Beratungsgespräche, die sich am Ende nicht auszahlen», erklärt Thomas Weber, Inhaber eines Elektronikfachgeschäfts in Köln. Manche Händler experimentieren inzwischen mit kreativen Lösungen: Beratungspauschalen, die beim Kauf angerechnet werden, oder exklusive Produkte, die es nur vor Ort gibt.
Als ich letzte Woche eine Buchhandlung besuchte, beobachtete ich genau dieses Phänomen. Die Buchhändlerin beriet einen Kunden zwanzig Minuten lang zu verschiedenen Krimis. Kaum war sie weg, tippte er eifrig auf seinem Handy herum. Wettbewerb ist gesund, aber diese Form fühlt sich unfair an.
Einige Läden setzen auf Mehrwert durch Events, Kurse oder persönlichen Service. Andere bieten digitale Erweiterungen wie Click-and-Collect oder eigene Apps. Der stationäre Handel steht am Scheideweg: Er muss die Beratung als Wert an sich etablieren oder neue Geschäftsmodelle entwickeln. Die Alternative wäre eine Zukunft als reiner Showroom für Online-Giganten – eine Vorstellung, die unsere Innenstädte veröden ließe.