Ein weitgehend friedlicher Jahreswechsel liegt hinter Stuttgart. Die Polizei zieht nach der Silvesternacht eine überwiegend positive Bilanz. Trotz des großen Besucherandrangs auf dem Schlossplatz und anderen öffentlichen Plätzen verlief die Nacht ruhiger als in den Vorjahren.
«Wir sind insgesamt zufrieden mit dem Verlauf der Silvesternacht», erklärt Polizeisprecherin Daniela Treude. «Die meisten Menschen haben friedlich gefeiert, und wir mussten deutlich seltener einschreiten als noch vor einem Jahr.» Rund 2.000 Beamte waren in der Landeshauptstadt im Einsatz – eine Zahl, die sich laut Polizeipräsidium bewährt hat.
Auf dem Schlossplatz, wo sich über 5.000 Menschen zum gemeinsamen Feiern trafen, blieb es weitgehend friedlich. Das dort geltende Böllerverbot wurde von den meisten Besuchern respektiert. Die Polizei führte stichprobenartige Kontrollen durch und stellte nur vereinzelt Verstöße fest.
In anderen Stadtteilen kam es vereinzelt zu Zwischenfällen. Die Feuerwehr musste zu insgesamt 41 Einsätzen ausrücken – die meisten wegen kleinerer Brände durch Feuerwerkskörper. Der Rettungsdienst verzeichnete 64 Einsätze, hauptsächlich wegen zu viel Alkohol und leichten Verletzungen durch Feuerwerkskörper.
Überschattet wurde die Nacht von einem Brand in einem Mehrfamilienhaus im Stadtteil Bad Cannstatt. Gegen 1:30 Uhr brach in einer Wohnung im dritten Stock Feuer aus. Neun Menschen erlitten Rauchgasvergiftungen, darunter zwei Kinder. «Ein Kind musste stationär im Krankenhaus aufgenommen werden, befindet sich aber nicht in Lebensgefahr», berichtet Feuerwehrsprecher Michael Schröder.
Die Brandursache ist noch unklar. Feuerwerkskörper können nicht ausgeschlossen werden, aber auch ein technischer Defekt kommt in Frage. Die Kriminalpolizei hat Ermittlungen aufgenommen. Der Schaden wird auf rund 150.000 Euro geschätzt. Das betroffene Stockwerk ist vorerst unbewohnbar.
Im Vergleich zum Vorjahr verzeichnete Stuttgart deutlich weniger Vorfälle mit Pyrotechnik. «Wir hatten nur drei Fälle, in denen Feuerwerkskörper gezielt auf Einsatzkräfte geworfen wurden», so Polizeisprecherin Treude. «Alle Täter konnten unmittelbar festgenommen werden.» Im Vorjahr waren noch mehrere Dutzend solcher Angriffe registriert worden.
Auch die verstärkten Kontrollen im öffentlichen Nahverkehr zeigten Wirkung. Die Stadtbahnen und Busse der SSB waren bis in die frühen Morgenstunden im Einsatz und brachten Feiernde sicher nach Hause. Entgegen der Befürchtungen kam es zu keinen nennenswerten Zwischenfällen.
«Die Präventionsmaßnahmen und das erhöhte Polizeiaufgebot haben sich ausgezahlt», bilanziert Oberbürgermeister Frank Nopper. «Stuttgart hat gezeigt, dass wir auch ausgelassen und doch friedlich feiern können.» Für das kommende Jahr soll das Sicherheitskonzept beibehalten und punktuell verbessert werden.
Die Stadtreinigung begann bereits um 3 Uhr morgens mit der Beseitigung der Silvesterreste. Besonders in der Innenstadt türmten sich Berge von Feuerwerksbatterien, leeren Flaschen und anderem Müll. «Wir sind mit 85 Mitarbeitern im Einsatz und rechnen damit, bis zum Nachmittag die Hauptbereiche gereinigt zu haben», erklärt AWS-Betriebsleiter Marc Schäfer. Insgesamt werden etwa 25 Tonnen Silvestermüll erwartet – etwas weniger als im Vorjahr.
Für die Menschen, die durch den Brand in Bad Cannstatt ihre Wohnungen verlassen mussten, hat die Stadt Notunterkünfte bereitgestellt. «Wir kümmern uns darum, dass niemand ohne Dach über dem Kopf bleibt», versichert Bürgermeisterin Alexandra Sußmann. Die betroffenen Familien werden voraussichtlich mehrere Wochen nicht in ihre Wohnungen zurückkehren können.
Die Stuttgarter blicken nun auf ein neues Jahr, das mit einem überwiegend gelungenen Silvester begonnen hat – trotz der bedauerlichen Ereignisse in Bad Cannstatt. Die Erfahrungen dieser Nacht werden in die Planung für den nächsten Jahreswechsel einfließen.