In der Silvesternacht 2025/2026 nahm die Berliner Polizei über 300 Personen fest. Die Beamten waren mit einem Großaufgebot im Einsatz, um die traditionell unruhige Nacht in der Hauptstadt zu bewältigen. Besonders in den Stadtteilen Neukölln, Wedding und Kreuzberg kam es zu zahlreichen Zwischenfällen.
Die meisten Festnahmen erfolgten wegen gefährlicher Körperverletzung, Sachbeschädigung und dem Verstoß gegen das Sprengstoffgesetz. Laut Polizeisprecherin Martina Weber wurden 127 Beamte im Dienst verletzt, davon mussten 23 ambulant in Krankenhäusern behandelt werden.
«Wir haben eine angespannte, aber keine außer Kontrolle geratene Situation erlebt», erklärte Polizeipräsidentin Sophia Krüger bei einer Pressekonferenz am Neujahrsmorgen. «Das verstärkte Einsatzkonzept hat sich bewährt, dennoch bleibt die Silvesternacht für uns eine enorme Herausforderung.»
Brennpunkt war erneut der Hermannplatz in Neukölln, wo sich etwa 2.000 Menschen versammelten. Dort wurden 87 Personen festgenommen, nachdem Feuerwerkskörper gezielt auf Einsatzkräfte geworfen wurden. Die Beamten setzten Wasserwerfer ein, um die Situation zu beruhigen.
Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Zahl der Festnahmen um etwa 15 Prozent. Die Polizei führt dies auf die konsequentere Durchsetzung der Böllerverbotszone in der Innenstadt zurück. In den ausgewiesenen Verbotszonen wurden 156 Personen mit illegalen Feuerwerkskörpern erwischt.
Berlins Innensenator Michael Wegner zeigte sich besorgt: «Die Gewalt gegen Einsatzkräfte hat ein inakzeptables Niveau erreicht. Wir werden das Konzept für kommende Jahre weiter anpassen müssen.»
Die Feuerwehr verzeichnete 1.842 Einsätze in der Silvesternacht, darunter 412 Brände. In 37 Fällen wurden Rettungskräfte bei ihrer Arbeit behindert oder angegriffen. Feuerwehrsprecher Thomas Schmidt berichtete: «Unsere Teams wurden mit Böllern beworfen, während sie versuchten, Verletzte zu versorgen oder Brände zu löschen.»
Besonders problematisch waren die Vorfälle am Alexanderplatz, wo trotz Verbots tausende Menschen feierten. Dort wurden 32 Personen festgenommen, nachdem sie Polizeiabsperrungen durchbrochen hatten. Die Beamten setzten Pfefferspray ein, um die Lage unter Kontrolle zu bringen.
Stadtteilinitiativen wie «Neukölln friedlich feiern» organisierten alternative Veranstaltungen ohne Feuerwerk. Diese wurden gut angenommen. «Wir hatten über 800 Besucher bei unserem Lichterfest im Körnerpark«, sagte Organisatorin Leyla Yilmaz. «Es zeigt, dass viele Berliner eine ruhigere Alternative suchen.»
Die Berliner Verkehrsbetriebe berichteten von 23 beschädigten Bussen und Bahnen. Der entstandene Sachschaden wird auf etwa 140.000 Euro geschätzt. Die U-Bahn-Stationen Hermannplatz, Kottbusser Tor und Gesundbrunnen wurden zeitweise geschlossen.
Im Unfallkrankenhaus Berlin wurden 67 Menschen mit Verletzungen durch Feuerwerkskörper behandelt, darunter acht Kinder. «Die Verletzungen reichten von Verbrennungen bis hin zu abgetrennten Fingern», erklärte Chefarzt Dr. Johannes Stein. «Einige Patienten werden bleibende Schäden davontragen.«
Die Polizei hatte im Vorfeld verstärkt in sozialen Medien gewarnt und Präventionskampagnen an Schulen durchgeführt. «Wir sehen kleine Verbesserungen in den Gebieten, wo wir intensiv mit Jugendlichen gearbeitet haben», meinte Jugendbeauftragte Daniela Hoffmann.
Trotz der vielen Zwischenfälle verlief die zentrale Silvesterfeier am Brandenburger Tor mit etwa 100.000 Besuchern weitgehend friedlich. Dort gab es lediglich 12 Festnahmen wegen kleinerer Delikte.
Die Auswertung der Silvesternacht wird nun mehrere Wochen in Anspruch nehmen. Bis Ende Januar will die Polizei ein detailliertes Lagebild vorlegen, das als Grundlage für das Sicherheitskonzept 2026/2027 dienen soll.