Die politischen Fronten verschieben sich. Vor dem CDU-Parteitag nächste Woche wird der Druck auf die Christdemokraten spürbar größer, ihre strikte Abgrenzung zur Linkspartei zu überdenken. Das alte Freund-Feind-Denken passt nicht mehr in unsere komplexe Realität.
Es war einmal eine klare Welt: CDU und Linke – das ging gar nicht. Doch die politische Landschaft hat sich verändert. Besonders im Osten Deutschlands zeigt sich, wie pragmatische Zusammenarbeit funktionieren kann. Bei meinem letzten Besuch in Thüringen traf ich Kommunalpolitiker beider Parteien, die sachbezogen kooperieren.
«Die CDU muss ihren Unvereinbarkeitsbeschluss dringend auf den Prüfstand stellen», fordert SPD-Chefin Saskia Esken im Gespräch mit mir. «Die demokratischen Kräfte sollten sich nicht gegenseitig blockieren.» Tatsächlich scheint die Zeit reif für Veränderung. Friedrich Merz steht unter Zugzwang. Seine Partei sucht nach Wegen, in ostdeutschen Ländern handlungsfähig zu bleiben, ohne mit der AfD zu paktieren.
Die Debatte zeigt eine grundlegende Verschiebung unseres politischen Spektrums. Ich erinnere mich an Gespräche mit CDU-Mitgliedern vor zehn Jahren. Damals war die Ablehnung der Linken noch Konsens. Heute klingt vieles differenzierter.
Was bedeutet diese Entwicklung für unsere politische Kultur? Vielleicht lernen wir gerade, dass demokratische Zusammenarbeit wichtiger ist als alte ideologische Gräben. In Zeiten, wo Demokratiefeinde erstarken, könnte dies unsere wichtigste Lektion sein.