Die Herbstsonne spiegelt sich in den Fenstern des Willy-Brandt-Hauses, während drinnen die Köpfe rauchen. Seit Monaten arbeitet die SPD an einem neuen Grundsatzprogramm. Nach 16 Jahren soll das politische Fundament der Partei erneuert werden. Im Mittelpunkt: ein moderner Sozialstaat für unsere Zeit.
Die Sozialdemokraten befinden sich in einer besonderen Spannung. „Wir müssen Antworten geben auf die Herausforderungen einer Welt, die sich dramatisch verändert hat», erklärt Parteichef Lars Klingbeil bei einem Treffen der Programmkommission. Die Partei ringt mit großen Themen: dem Ukraine-Krieg, Chinas wachsendem Einfluss und gesellschaftlicher Polarisierung.
Ich erinnere mich an ein Gespräch mit einem langjährigen SPD-Mitglied aus meinem Stadtteil. „Früher wussten wir genau, wofür wir stehen. Heute müssen wir das neu definieren», sagte er mir nachdenklich. Diese Suche nach Identität spiegelt die Herausforderung der Partei wider.
Im neuen Programm soll der Sozialstaat als Herzstück sozialdemokratischer Politik geschärft werden. Die bisherigen Konzepte reichen nicht mehr aus. Die SPD will neue Antworten auf Digitalisierung, Migration und Klimawandel finden. Gleichzeitig kämpft sie mit sinkenden Umfragewerten.
Die große Frage bleibt: Kann die Partei ihre traditionellen Werte in eine neue Zeit übersetzen? In einer Gesellschaft, die sich rasant wandelt, sucht die älteste demokratische Partei Deutschlands nach ihrem Platz. Die Antwort darauf könnte über ihre Zukunft entscheiden.