Die Geduld Düsseldorfer Autofahrer wird täglich auf die Probe gestellt. An einigen Verkehrsknotenpunkten der Stadt verlieren Pendler wertvolle Zeit im Stau. Eine aktuelle Verkehrsanalyse des städtischen Mobilitätsamts zeigt, wo die Situation besonders angespannt ist und welche Maßnahmen geplant sind.
Besonders kritisch bleibt die Situation auf der Corneliusstraße zwischen Bilker Allee und Fürstenwall. Hier stehen Autofahrer durchschnittlich 23 Minuten länger als nötig. «Die Baustelle an der Kreuzung zur Bilker Allee verschärft die ohnehin angespannte Lage», erklärt Verkehrsdezernentin Cornelia Weber. «Wir arbeiten mit Hochdruck daran, die Arbeiten bis Ende Juni abzuschließen.»
Auch die Rheinuferpromenade zwischen Oberkasseler Brücke und Rheinkniebrücke entwickelt sich zum dauerhaften Problem. Vor allem freitags zwischen 16 und 19 Uhr stockt hier der Verkehr regelmäßig. Die durchschnittliche Verzögerung beträgt 18 Minuten. Die Ursachen sind vielschichtig: Ein Mix aus Berufsverkehr, Wochenendausflüglern und Besuchern der umliegenden Gastronomie trifft hier aufeinander.
Die Berliner Allee bleibt ebenfalls ein Dauerbrenner unter den Stau-Hotspots. Besonders der Abschnitt zwischen Hauptbahnhof und Worringer Platz sorgt für Frust bei Pendlern. «Wir haben im vergangenen Jahr die Ampelschaltungen angepasst, aber die steigenden Verkehrszahlen machen diese Verbesserungen leider zunichte», sagt Weber. Im Berufsverkehr verlieren Autofahrer hier durchschnittlich 15 Minuten.
Die Verkehrsprognose für 2025 zeigt keine Entspannung. Im Gegenteil: Durch die geplanten Großbauprojekte im Medienhafen und am Flughafen werden weitere Belastungen erwartet. Das Mobilitätsamt rechnet mit einer Zunahme des Verkehrsaufkommens um etwa 8 Prozent.
«Die Stadt kann nicht einfach immer mehr Straßen bauen», betont Oberbürgermeister Thomas Keller. «Wir müssen den öffentlichen Nahverkehr stärken und alternative Mobilitätskonzepte fördern.» Teil dieser Strategie ist der Ausbau des Radwegenetzes. Bis 2025 sollen 25 Kilometer neue Radwege entstehen.
Die Stadtwerke Düsseldorf planen zudem eine Taktverdichtung auf den Hauptlinien der Rheinbahn. «Wir wollen, dass mehr Menschen vom Auto auf Bus und Bahn umsteigen», erklärt Vorstandsmitglied Sabine Müller. «Dafür müssen wir ein attraktives Angebot schaffen.» Ab September sollen die Linien U78 und U79 auch am Wochenende im 10-Minuten-Takt fahren.
Eine Bürgerbefragung des Verkehrsclubs Deutschland (VCD) zeigt jedoch: Viele Düsseldorfer sind skeptisch. «Die Menschen wünschen sich konkrete Verbesserungen im Alltag», sagt VCD-Sprecherin Lisa Baumgarten. «Solange die Bahnen überfüllt und unpünktlich sind, werden viele beim Auto bleiben.»
Der städtische Verkehrsausschuss hat nun ein Sofortprogramm beschlossen. Für die fünf schlimmsten Stau-Hotspots werden kurzfristige Lösungen erarbeitet. An der Kreuzung Königsallee/Steinstraße wird ein intelligentes Ampelsystem installiert, das den Verkehrsfluss verbessern soll. Für die Heinrich-Heine-Allee und die Kaiserswerther Straße sind zusätzliche Abbiegespuren geplant.
Die aktuelle Verkehrsanalyse bestätigt einen langjährigen Trend: Staus entstehen besonders dort, wo verschiedene Verkehrsströme aufeinandertreffen. «An diesen Knotenpunkten müssen wir ansetzen», erklärt Verkehrsplanerin Dr. Martina Hoffmann vom Institut für Stadtentwicklung. «Intelligente Verkehrsleitsysteme können helfen, die vorhandene Infrastruktur besser zu nutzen.»
Einige Anwohner der besonders belasteten Straßen fordern radikalere Maßnahmen. Die Bürgerinitiative «Lebenswerte Corneliusstraße» sammelt Unterschriften für eine teilweise Sperrung der Straße für den Durchgangsverkehr. «Wir ertragen den Lärm und die Abgase nicht mehr», sagt Sprecher Michael Schneider. «Es geht um unsere Lebensqualität und Gesundheit.»
Die IHK Düsseldorf warnt hingegen vor überhasteten Eingriffen. «Der Wirtschaftsverkehr muss fließen können», betont Hauptgeschäftsführer Gregor Berghausen. «Viele Unternehmen sind auf gute Erreichbarkeit angewiesen.» Er fordert einen Mobilitätspakt, an dem alle Interessengruppen beteiligt werden.
Die Stadtverwaltung verfolgt nun einen ganzheitlichen Ansatz. «Wir brauchen nicht die eine große Lösung, sondern viele kleine Verbesserungen», sagt Verkehrsdezernentin Weber. Ein digitales Verkehrsleitsystem soll künftig die Verkehrsströme in Echtzeit erfassen und Autofahrer um Stauschwerpunkte herumleiten. Außerdem werden die Park+Ride-Angebote an den Stadträndern ausgebaut.
Bis alle Maßnahmen greifen, heißt es für Düsseldorfer Autofahrer weiterhin: Geduld haben oder Alternativen nutzen. Wer kann, sollte Stoßzeiten meiden oder auf Fahrrad und öffentliche Verkehrsmittel umsteigen. Die Stadt bietet inzwischen auch eine Stau-Vorhersage per App an, mit der sich die schlimmsten Engpässe umfahren lassen.