Der tägliche Gang durch die Flure des Seniorenheims «Abendrot» offenbart mir die Sorgenfalten auf den Gesichtern der Angehörigen. «5000 Euro monatlich für einen Pflegeheimplatz – wie soll ich das stemmen?«, fragt mich Herr Müller, dessen Mutter seit drei Monaten hier lebt. Die Eigenanteile für Pflegeheimplätze haben in Deutschland Anfang 2024 eine historische Marke überschritten.
Die Zahlen sind alarmierend. Erstmals kostet ein Heimplatz im bundesweiten Durchschnitt mehr als 2800 Euro pro Monat aus eigener Tasche. In manchen Bundesländern übersteigen die monatlichen Kosten sogar die 3000-Euro-Grenze. Die regionalen Unterschiede sind dabei erheblich. Während in Sachsen-Anhalt durchschnittlich 2017 Euro fällig werden, müssen Pflegebedürftige in Nordrhein-Westfalen mit 2930 Euro rechnen.
«Die steigenden Personalkosten durch bessere Tarifverträge sind ein wichtiger Faktor», erklärt Christine Vogler vom Deutschen Pflegerat. «Höhere Gehälter für Pflegekräfte sind notwendig, aber die Finanzierungsfrage bleibt ungelöst.«
Letzten Dienstag traf ich eine ehemalige Nachbarin im Supermarkt. Sie berichtete unter Tränen, dass sie ihr Erspartes aufbrauchen muss, um die Heimkosten ihrer Schwester zu bezahlen. Solche Gespräche führe ich inzwischen wöchentlich.
Die aktuelle Entwicklung wirft grundlegende Fragen zur Finanzierung unserer Pflege auf. Während die Politik über Lösungsansätze diskutiert, wächst die finanzielle Belastung für Familien weiter. Der demografische Wandel verstärkt das Problem zusätzlich. Die Würde im Alter darf nicht zur Frage des Geldbeutels werden – eine gesellschaftliche Herausforderung, die uns alle betrifft.